Death Stranding – Die Nachhaltigkeit des Multiplayers

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Death Stranding hat einen Mehrspielermodus, der sich jedoch deutlich anders entpuppt als in anderen bekannten Spielen, denn in Death Stranding schießt ihr euch nicht gegenseitig ab, sondern baut gemeinsam die Welt wieder auf. Das bedeutet, dass ihr beispielsweise anderen Spielern Hinweise gebt, wo sich Schätze verbergen, oder ihnen Brücken baut, damit sie sicheres Geleit haben, wenn sie den Bereich erst einmal ans Chirale Netzwerk angeschlossen haben.

Ganz offen: Ich liebe diese Art von Multiplayer, denn auf diese Weise fühle ich mich im großen Amerika nicht ganz alleine. Ich weiß, dass da draußen noch einige Sam Porter Bridges unterwegs sind, die genauso wie ich, versuchen Amerika wieder zu verbinden und zu einem bewohnbaren Ort zu machen. Auch ich unterstütze meine Mitspieler wo ich kann: In dem ich Schilder für Speicherchips aufstelle oder eine kleine Kletterverankerung irgendwo lasse. Wie auch im richtigen Leben konzentriere ich mich auf die kleinen Dinge im Leben, doch viele andere Spieler von Death Stranding sehen das nicht so. Vor allem das Startgebiet sieht mittlerweile aus, als hätte jemand einen Baumarkt geplündert und reiht Brücke an Brücke und Leiter an Leiter – vor allem oft auch an Stellen, die einfach mal super sinnfrei sind und niemandem etwas bringen.

Ich habe zum Beispiel zwischen dem Musiker und Port Knot City mehrere Leitern gefunden, die einfach ins Leere führen. Also hat man mit diesem übermäßigen Bauen von Dingen nicht einmal wirklich etwas erreicht, um gefährliche Gebiete zu umgehen. Sinnvolle Gebiete, an denen es fast in Ordnung ist, dass sich Leitern und Kletterverankerungen stapeln, gibt es an sich ohnehin nur eins und das ist direkt von Capitol Knot City zum ersten Wegpunkt. Da ich sehr gerne Sachen erkunde, vor allem in Death Stranding, habe ich schließlich jeder Leiter auf den Zahn gefühlt, die es in meiner geteilten Welt so gab.

Glücklicherweise lässt dieses massive “ich baue überall eine Leiter hin, weil ich es kann”-Gehabe nach, sobald man von Port Knot City nach Lake Knot City kommt, denn hier gibt es weitaus andere Dinge, womit sich die Spieler beschäftigen können: Einen Highway bauen, zum Beispiel. Während ich in meiner geteilten Welt viel Zeit damit verbringe, Rohstoffe zu den Straßenabschnitten zu tragen und somit mein Highway auch schon fast fertig ist, haben andere Spieler offensichtlich sehr viel Spaß damit, die Gegend mit Fahrzeugen jeglicher Art voll zu stellen. Ich habe den Hype von Fahrzeugen in Death Stranding sowieso noch nicht verstanden, weil ich zu Fuß deutlich besser und sicherer unterwegs bin (nicht schneller, aber wenn ich mein Fahrzeug eh permanent in tiefe Flüße steuere, bringt mir das auch nichts), doch viele Spieler lieben diese Dinger offensichtlich.

Und so finde ich an vielen Stellen zwei oder drei Trucks, kann mich zwischen mehreren Threewheelern entscheiden und frage mich, was das soll? Es gibt nur wenige Momente, wenn ich in Death Stranding ein Fahrzeug benutze und das hängt dann meistens damit zusammen, dass ich ein MULE Lager hochgenommen und deren eigenes Fahrzeug geklaut habe, um die gestohlene Fracht zu einem Verteilerzentrum zu bringen. Somit bin ich auch hier nachhaltig, da ich keinen eigenen Wagen habe. Sicher, die anderen Spieler stellen die Fahrzeuge zur Verfügung, damit Spieler wie ich keine Schwierigkeiten haben, doch allein aufgrund des Geländes ist es kein sinnvolles Fortbewegungsmittel – und schon gar keines, das dutzendfach an irgendwelchen Ecken rumstehen muss.

Zusätzlich mit der Information, dass das Chirale Netzwerk möglicherweise überlasten könnte, finde ich es noch weniger sinnvoll, so viele unnütze Dinge in eine Welt zu bauen. Brücken und Dinge, um wirklich irgendwohin gut hinzukommen, sind in Ordnung. Sie erleichtern in einem gewissen Maße ja das Liefern von Gegenständen, doch anhand der Fahrzeuge kann man deutlich erkennen, wieso unser Planet irgendwann eben doch vor die Hunde geht: Wenn ich nicht einmal in einem Spiel die Freiheit habe, so viele Autos wie ich will zu bauen und zu benutzen, was soll dann aus meiner Freiheit in der echten Welt werden?

Glücklicherweise sorgt der Zeitregenzyklus dafür, dass Bauwerke und Fahrzeuge, die zu lang dem Zeitregen ausgesetzt sind, ohne dass sie repariert werden, irgendwann zerfallen. Und so bekommt man regelmäßig für seine eigenen Bauten den Hinweis, dass sie bald zerfallen – dann hat man die Möglichkeit, sie zu reparieren oder eben zerfallen zu lassen. Ähnlich ist es auch mit Fahrzeugen, die man immer mal wieder findet: Der rostige Truck ist dann doch keine Seltenheit. Da solche Gegenstände irgendwann aus der Spielwelt verschwinden, habe ich meine ganz eigene Theorie darüber: Alle paar Wochen erhält ein Sam Porter Bridges die Aufgabe, den ganzen Schrottmüll zum Schrotthändler zu bringen, um für Ordnung zu sorgen, denn eins ist schon faszinierend: Die geteilte Welt ist voll mit Dingen, die wir alle benutzen, doch nirgendwo liegt wirklich Müll herum, außer um den Schrotthändler. Meine Theorie ist also durchaus naheliegend.

Death Stranding ist für mich ein sehr interessantes Spiel, denn es zeigt mir so sehr, wie die Menschen sind. Wieder kann ich auch in diesem Spiel sehen, warum wir derzeit so viele Herausforderungen auf unserem Planeten haben – und dass wir es wieder und wieder tun würden.

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Beatrice Vogt

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