DIRT 5 (Xbox) im Test – Vielfalt ohne Feinschliff

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Drei Jahre ist es nun her, dass Codemasters mit DiRT 4 ein Spiel herausbrachte, das sich irgendwo als Hybrid zwischen zugänglicher Arcade und doch anspruchsvoller Simulation wie DIRT Rally ansiedelte. Mit DIRT 5 besinnt man sich wieder auf etwas anderes: Dieses Rennspiel darf als reines Arcaderallyespiel gewertet werden, bei dem der Anspruch nicht vornehmlich auf der Kontrolle der Boliden liegt. Welche Qualitäten DIRT 5 ansonsten mitbringt, habe ich auf der Xbox One X herausgefunden und verrate ich euch in der Review.

Such dir was aus!

Ich habe DIRT 5 von Anfang an ohne alle Fahrhilfen und mit manueller Schaltung gespielt – ich hatte nämlich schon so im Gefühl, was mich erwartet. Zuletzt hatte ich DIRT Rally 2 von Codemasters gespielt und das ist von der Steuerung her ein anderes Kaliber – doch die traditionelle Rallye ebenso wie die Simulationsausrichtung spielen in DIRT 5 kaum eine Rolle. Hier fährt man fast immer mit elf Kontrahenten auf der Strecke und es geht eher darum, Erster zu werden, während man durchaus auch mal rast und rammt – Gebetbuch oder Beifahrer sind nicht existent.

Dafür bietet DIRT 5 eine große Vielfalt an verschiedenen Rennarten und Strecken, die teilweise aber auch untereinander aufgeweicht werden, denn verschiedene Events darf man auch mit verschiedenen Fahrzeugklassen spielen – während einem die Stampede Events zunächst mit den bulligen Fahrzeugen präsentiert werden, darf man selbige Events früher oder später auch mit anderen Fahrzeugen absolvieren – davon gibt es verschiedene Klassen von modernen Rallyefahrzeugen, Rallyeautos aus den 90ern bis hin zu ultraleichten Buggys.

DIRT 5 präsentiert sich wirklich sehr, sehr zugänglich, denn auch ohne die erwähnten Fahrhilfen wie ABS oder Traktionskontrolle hat man den Großteil der Fahrzeuge im Spiel sehr gut unter Kontrolle – DIRT 5 möchte, dass ihr euch schnellstmöglich auf die Piste begebt, dabei darf man sich mit seinen Wunschevents durch die Karriere schlängeln. Mir gefällt das sehr gut, obwohl mir fast alle Events gefallen – die Ausnahme bilden für mich die Gymkhana Events, die die gewohnt auf Drift & Tricks ausgelegt sind. Mit denen kann ich herzlich wenig anfangen und spiele sie nur zwischendurch, was aber auch okay ist.

DIRT 5 bietet viele Freiheiten – auch bei der Gestaltung der Fahrzeuge.

Ab auf die Piste

Meine Favoriten: Eigentlich alles, egal ob Ultra Cross oder Land Rush. Besondere Abwechslung bieten die Pathfinder Events, von denen es nicht allzu viele gibt: Hier absolviert man besonders unwegsame und herausfordernde Strecken mit Buggys. Auch diese Events sind gut schaffbar, aber hier fährt man ohne KI nur gegen die Zeit – eine willkommene Abwechslung.

Egal welcher Modus, die Strecken gefallen fast immer: Dadurch, dass sie auf der ganzen Welt angesiedelt sind, strotzen sie nur so vor Vielfalt und Abwechslung, detailreich sind sie auch. Ich bin froh über jedes Rennspiel ohne offene Welt, welches dafür so vielfältige Strecken wie DIRT 5 bereit hält – es macht einfach immer Spaß, ein neues Event zu starten, allein schon, um die Strecken zu erleben.

Die Inszenierung von allem drumherum abseits der Strecke gelingt DIRT 5 dagegen weniger gut: Neben Fahrerkarriere möchte man auch eine Art episches Event auf dem Weg zur Legende inszenieren, doch so richtig viel Leidenschaft kommt dabei nicht auf – allein schon, weil die Kommentare des Moderators oft nicht zum Geschehenen passen, sich ständig wiederholen, und auch die Podcasts nur in den Menüs abgespielt werden und total belanglos sind. Ganz ehrlich: Die Karriere von DIRT 5 motiviert mich ungemein, aber mit der Inszenierung drumherum hat man mich Null Komma Garnicht abgeholt.

Auf der Strecke kann es auch mal rabiat zugehen.

Stolperstein Technik

Update vom 05.11.2020:
Zum untenstehenden Abschnitt möchte ich ergänzen, dass am 05. November und damit einen Tag vor dem offiziellen Launch, doch noch ein Update für DIRT 5 zur Verfügung stand, das die technischen Probleme zum Teil in den Griff bekommt: Das Tearing wurde fast vollständig aus dem Spiel verbannt, sogar im Modus Bildqualität. An den restlichen Schwächen wie dem teils unausgegorenen Schwierigkeitsgrad, den etwas hakeligen Menüs und vor allem der schwachen Inszenierung des Karrieremodus hat sich aber nichts geändert. Dennoch haben wir die Wertung angepasst.

Das liegt auch daran, dass mir das Ganze etwas schnell hingeworfen aussieht, ein Eindruck, den DIRT 5 auch an anderen Stellen abrundet: Das ganze Spiel wirkt so, als könnte es gut und gerne noch einige Wochen Feinschiff vertragen. Die Menüs sind gut inszeniert, doch beim Abspeichern einer Farbe spielt DIRT 5 einen Bildschirm ein, der wie ein Platzhalter aussieht. Nach Rennen hängt sich das Spiel gern mal auf und vergisst, die Belohnungen aus zu spielen: Ein Neustart von DIRT 5 wird nötig.

Die Strecken sehen grandios aus und überzeugen insbesondere mit ihrem dynamischen Wetter: Wird es dunkel oder zieht ein Schneesturm oder Regen auf, sieht DIRT 5 prächtig aus, was auch für Fahrzeuge, Umgebung und Untergründe gilt. Aber: Sowohl im Performance als auch im Bildqualität Modus zerreißt starkes Tearing auf vielen Strecken das Bild, vor allem, wenn Kontrahenten vor einem fahren. Das Tearing wird unter Priorisierung der Bildrate sogar schlimmer, während die teils instabil wirkende Bildrate nicht wirklich steigt. Technisch hätte die Xbox One X Fassung also definitiv mehr Feinschliff gebraucht.

Doch einige Mankos an DIRT 5 greifen sogar auch in die Karriere: Häufig passen die im Menü angezeigten Eventziele nicht zu denen, die in den Events angezeigt werden, genau so ist aber auch die Vergabe der Belohnungen manches mal ein Glücksspiel: Die Belohnung meines Sponsors dafür, zwei Path Finder Events zu sammeln, habe ich nach dem ersten erhalten, andere Belohnungen von Events bleiben einem dagegen verwehrt, weil das Spiel sie einem nicht richtig anrechnet – oder man bekommt welche, die man gar nicht erreicht hat. Es ist alles sehr verwirrend – und rundet den Eindruck ab, dass DIRT 5 einfach noch nicht ganz fertig ist. Vielleicht kommt ja noch ein Day One Patch.

Ein von Codemasters bereitgestelltes Level aus dem Playgrounds Modus.

Eine stimmige Kulisse

Es ist schade, dass DIRT 5 an vielen Stellen so unfertig ist, denn im Grunde ist es sonst ein tolles Gesamtpaket: Während sich andere Rallyespiele mehr in Richtung Simulation bewegen, bietet DIRT 5 ein pures Arcadevergnügen – mit wirklich gelungenem Handling. Doch einige Wagen im Portfolio sind auch etwas widerspenstig. Ich finde das Handling ohne die Fahrhilfen top, denn ein wenig Anspruch bleibt übrig – meistens macht es Spaß, sich mit den Kontrahenten auseinanderzusetzen.

Die Strecken sind einfach wunderschön!

Ganz ausgewogen ist der Schwierigkeitsgrad aber nicht: Einzelne Events tanzen immer wieder aus der Reihe und sind im Vergleich zu anderen wahnsinnig schwer, wobei der Wechsel des Wagens meistens hilft. Einige andere Events sind dagegen auf mittel deutlich zu einfach. Auch hier könnte DIRT 5 noch Feinschliff vertragen.

Doch eigentlich wollte ich ja sagen, was gut ist: Quasi alles auf der Strecke. Denn nicht nur die Schauplätze überzeugen mit Dynamik und Details, sondern auch die Rennen an sich. Auch die Soundkulisse ist super und repräsentiert vor allem die Fahrzeuge richtig gut, während die Musik in den Rennen runtergeregelt wird.

Um auch über die umfangreiche Kampagne hinaus zu motivieren, hat DIRT 5 nicht nur einen Onlinemodus parat, sondern auch den Playgrounds Modus, mit dessen Editor man einfach anspruchsvolle Kursen basteln kann oder sich auf denen anderer Kreativer messen kann – mit einer weltweiten Rangliste. Hier haben die Entwickler bereits mit einigen spannenden Kursen vorgelegt – diese zeigen, dass die Erstellung derselben auch recht einfach gelingen kann, der Editor ist meines Erachtens sehr intuitiv. Fest steht: Wenn die Community aktiv ist, wird es mit DIRT 5 so schnell nicht langweilig.

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Fazit: Vielfältige Rallye-Arcade (angepasst am 05.11.2020)

Klar sein muss man sich, worauf DIRT 5 sich besinnt: Der Vorgänger nahm sich viele Elemente aus DIRT Rally mit. DIRT 5 macht das nicht: Es ist zugänglicher Arcade Spaß mit Vielfalt, bei dem man sich beim Handling nur bei wenigen Boliden Sorgen machen muss. Auch Fahrfehler sind schnell verziehen, wobei das Erlebnis auf der Strecke überzeugt: Die Strecken sind abwechslungsreich, detailreich, und sehen vor allem bei Wind und Wetter bombastisch aus. Doch auch die technischen Fehler fallen auf: Tearing zerreißt immer wieder das Bild. Teils wirkt DIRT 5 aber etwas unfertig: Die Menüs sind etwas hakelig, das Belohnungssystem arbeitet nicht fehlerfrei und die Karriereinszenierung wirkt wie schnell gemachtes Beiwerk. Keine Frage, der Karrieremodus motiviert auch so, doch die Inszenierung dazu holt nicht wirklich ab. Ich hab jede Menge Spaß mit DIRT 5 und mit umfangreicher Karriere, Online und Playground Modus kann es auch lange motivieren. Im Grunde ist DIRT 5 genau das Rennspiel, auf das ich eine Weile gewartet habe, nur den Karrieremodus hätte man etwas anders aufziehen sollen.

ProContra
+ Super vielfältige Strecken– Inszenierung Karrieremodus nicht gelungen
+ Tolle Optik– Unausgegorener Schwierigkeitsgrad
+ Dynamisches Wetter mit tollen Effekten– Feinschliff fehlt
+ Zugänglich mit gelungenem Handling– Hängt sich gern mal nach Rennen auf
+ Soundkulisse überzeugt
+ Viele verschiedene Renntypen
+ Playground Modus mit intuitivem Editor

Hinweis: Da ein Patch, der die auffälligen Fehler größtenteils beseitigte, rechtzeitig zum offiziellen Launch zur Verfügung stand, haben wir die Wertung am 05. November 2020 angepasst, da sich die Grafikwertung und die Spielspaßwertung erhöht haben. Zuvor hatte DIRT 5 eine Wertung von 83 Punkten erhalten. Bereits vor unserem Test gab es ein Update, welches aber keine nennenswerten Verbesserungen gebracht hatte.

Technik: 85
Grafik: 88
Sound: 92
Umfang: 93
Gameplay: 85
KI: 68

Spielspaß: 84

  • Story: DIRT 5 erzählt nebenbei etwas von eurem Weg zum Superstart – doch das ist alles überflüssig.
  • Nachhaltigkeitswert: DIRT 5 wird lang Spaß machen.
  • Frustpotential: Stellenweise vorhanden, weil der Schwierigkeitsgrad nicht ausgewogen ist.
  • Design/Stil: Überzeugt.
  • Musik und Sound: Die Soundkulisse ist sehr gut gelungen, vor allem, was die Soundeffekte der Fahrzeuge betrifft.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Der Vollpreis ist angemessen.

Offenlegung & Unterstützung

Ein Reviewkey zu DIRT 5 wurde uns zur Verfügung gestellt.

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Manuel Eichhorn
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