MXGP 2020 (PS4) im Test – Fieser Matsch

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Beim italienischen Racingstudio Milestone haben sich in den letzten Jahren diverse Reihen etabliert – das offizielle Spiel zur MXGP gehört auch dazu. Nun liegt der Ableger MXGP 2020 – The Official Motocross Videogame vor. Nachdem mein letztes MXGP Spiel noch das allererste aus dem Jahr 2014 war, war ich neugierig darauf, das aktuelle Spiel auszuprobieren. Die Review zur PS4 Version verrät, wie gut es mir gefallen hat.

Ganz offiziell fies

Nach wenigen Spielminuten schon ist klar, dass MXGP 2020 die gleiche Entwicklung durchgemacht hat wie auch die RIDE Reihe (zu unserem Test von RIDE 4): Während die Ableger vor einigen Jahren noch moderate Arcaderacer waren, die in Simulationsrichtung tendieren, bringt Milestone mittlerweile knallharte Simulationen auf den Markt, die beim Schwierigkeitsgrad die härtesten Rennspiele darstellen, die man bekommen kann.

Während Milestone dabei grundsätzlich keinen schlechten Job macht, wird man so meines Erachtens dennoch die meisten Spieler vergraulen, denn: MXGP 2020 schafft es vor allem bei Neulingen kein Stück, dich abzuholen. Es gibt kein Tutorial und direkt beim ersten Rennen geben dir die Gegner so richtig heftig auf den Sack. Sie lassen dir Schlamm an den Helm fliegen, und das war’s.

MXGP 2020 ist vom Anspruch und vom Handling her gar nicht mehr vergleichbar mit dem ersten MXGP Spiel aus 2014: Was einerseits gut ist, sorgt andererseits für viel Frust. Ich fand den Einstieg ins Spiel unheimlich mühsam und frustrierend: Vor allem, weil auch die eingeblendete Steuerung am Bildschirmrand nicht so viel bringt.

Schon ab den ersten Rennen geht’s richtig rund – die Regeneffekte überzeugen!

Viel Anspruch, viele Details

Das ist schade, denn grundsätzlich blickt man bei MXGP 2020 auf eine solide Basis: Die hakeligen und mit vielen Ladezeiten gespickten Menüs sollte man zwar besser schnell hinter sich lassen, doch den Fokus legt MXGP 2020 klar auf die Strecke. Und dort macht es technisch, gespielt auf der PS5 (in der PS4 Version) eine gute Figur: Es läuft größtenteils flüssig, im Vergleich zu einem nativen PS5 Spiel wirkt das Bild nur etwas verwaschen. Das kann man verzeihen.

Und eigentlich bietet MXGP 2020 genau das, was man von einem anspruchsvollen Rennspiel erwartet: Steuerung und Fahrphysik verlangen einem Einiges ab, auch wenn sich Letztere immer wieder ein paar unrealistische Ausrutscher erlaubt. Die Steuerung aber ist grundsätzlich gelungen und reagiert sehr präzise: Nicht nur Gas und Bremse (Vorder- wie Hinterrad), sondern auch das Gewicht des Fahrers wollen nämlich dosiert werden.

Doch eins ist bei Milestone wieder fies: Die KI. Sie braust einem vor allem am Anfang einfach gnadenlos davon. Man kennt es ja aus vielen Rennspielen so, dass es am Anfang etwas einfacher zugeht, vor allem, wenn die KI auf „Sehr einfach“ eingestellt ist. Aber Pustekuchen. In MXGP 2020 ist alles anders. Fehler macht die KI auf allen Schwierigkeitsgraden über „sehr einfach“ – das schließt auch „einfach“ mit ein – schon mal fast gar nicht mehr.

Coole Kreation im Fotomodus.

Alles offiziell

Eigentlich steckt in MXGP 2020 ein detailverliebtes und umfangreiches Rennspiel – auf jeden Fall muss man aber das Geschehen auf der Strecke mögen, denn das Drumherum kommt wieder recht trocken rüber und die Menüs machen wirklich nicht so viel Spaß. Doch vor allem muss man sich eben ins Spiel einarbeiten.

Ich glaube, Milestone sollte die Zielgruppe seiner Spiele mittlerweile genauer definieren oder einfach immerhin so etwas wie eine Lernkurve integrieren – und einen nicht sofort auf dem Peak anfangen lassen. Ganz ehrlich: Ich glaube, den Großteil der Spieler:innen verliert man schlichtweg innerhalb der ersten halben Stunde. Hätte ich mich nicht länger mit MXGP 2020 beschäftigen müssen, hätte ich es glaube ich auch genervt wieder ausgemacht.

Darüber hinaus warten ja aber viele Versprechungen: Viel zum Freischalten, verschiedene Bikes und Verträge, Anpassungen des Fahrers und ein mittlerweile recht solider Multiplayermodus. Was ich mir von Milestone wünsche: Eine Überarbeitung der Menüs und vor allem eine Reduzierung der ständigen und langen Ladezeiten.

Schon von Anfang an darf man sich für Verträge entscheiden.

Fazit: Motocross für Expert:innen

MXGP 2020 ist wirklich kein schlechtes Spiel, aber es versäumt die Basiskompetenzen, wenn es um Einsteigerfreundlichkeit geht: Direkt ab dem ersten Rennen wird man von der KI so krass bestraft, dass vielen Spieler:innen wohl die Lust vergehen dürfte. In MXGP 2020 muss man sich als Neuling der Serie einarbeiten, doch das Spiel bietet keinerlei Anlässe, dies auch zu tun. Dabei ist die anspruchsvolle Steuerung und Inszenierung durchaus gelungen – auch wenn der Fokus definitiv auf den Rennen liegt. Die Menüs sind hakelig, an dieser Basis wie auch den langen Ladezeiten sollte Milestone endlich arbeiten. Bis dahin empfehle ich MXGP 2020 nur denjenigen, die sich in eine knallharte Simulation ohne Belohnung einarbeiten wollen.

ProContra
+ Anspruchsvolle Steuerung– Gar nicht einsteigerfreundlich
+ Technisch solide Basis– Viel Frust
+ Ansprechende Fahrphsysik– … mit einigen Ausrutschern
+ Realistische Soundkulisse– Hakelige Menüs
– Lange Ladezeiten
– Keine Einführung ins Spiel

Technik: 65
Grafik: 83
Sound: 80
Umfang: 78
Gameplay: 48
KI: 38

Spielspaß: 48

  • Story: MXGP 2020 erzählt keine Geschichte – gibt sich aber auch keine Mühe, euch in den Motortsport abzuholen.
  • Nachhaltigkeitswert: Ein gewisser Wiederspielwert ist durchaus vorhanden, allerdings bleibt vor allem der Frust in Erinnerung.
  • Frustpotential: Sehr hoch.
  • Design/Stil: Realistisch und detailreich, im Menü aber lieblos & hakelig.
  • Musik und Sound: Die Soundkulisse überzeugt.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Der empfohlene Preis ist angemessen.

Offenlegung

Ein Reviewkey zu MXGP 2020 wurde uns zur Verfügung gestellt. Getestet haben wir auf PS5.

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Manuel Eichhorn
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