Persons 5 Strikers (Switch) im Test – Warriors im Persona-Gewand?

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Wenn Omega Force nicht gerade an den typischen Reihen der Warriors Reihe zu arbeiten, so gibt es immer mal wieder den einen oder anderen „Lizentitel“, zu einem solchen gehört auch Persona 5 Strikers. Ich habe mir den Titel angesehen und verrate dir in meiner Review, was sich hinter dem Spiel wirklich verbirgt und ob die Switch Version überzeugen kann.

Los geht’s: Lass uns erstmal reden

Wer, wie ich, an Persona 5 Strikers herangeht und denkt, es hier mit einem ganz typischen Spiel der Warriors Reihe zu tun zu haben, der wird sich umsehen. Tatsächlich ist Persona 5 Strikers mehr ein Persona 5 als man zunächst annehmen möchte.

Der Einstieg erinnert an Persona 5 selbst: Joker und ich sind mitten in einem Gefecht, in einem Palast, und kämpfen in typischer Tutorialmanier gegen Schatten. Später gibt es eine Rückblende und ich erfahre erst einmal, wie ich in alles hineingeraten bin, denn während die Sinneswandel in Persona 5 dazu dienten, einen gemeinen Menschen wieder in einen lieben zu verwandeln, bringt Persona 5 Strikers etwas ganz Anderes auf den Tisch: Große Monarchen stehlen die Begierden ihrer Fans und die Phantomdiebe und ich dürfe das Schlamassel jetzt ausbaden.

Klingt so, als wäre die Geschichte auch im Spiel schnell erklärt? Nein, denn hier greift der Aspekt der Persona Reihe: Es wird geredet und geredet, zwischendrin darf ich Sätze einwerfen und dann wird weiter geredet. Und immer, wenn ich denke, ich darf spielen, wechseln wir den Schauplatz und reden weiter. Es gab selten ein Spiel, bei dem mir tatsächlich während der Szenen so langweilig war, wie in Persona 5 Strikers, so viel habe ich geskippt oder vorgespult.

Während das auch in Persona 5 stellenweise wirklich viel war, hat dabei wenigstens auch alles dazu beigetragen, dass man die Geschichte verstand. Hier ist es nun in einigen Szenen so, dass ich das Gefühl habe, dass diese Szene nur existiert, damit die Spielzeit gestreckt wird. Das ist wirklich schade. Zudem birgt die Geschichte nun auch keine besonderen Erkenntnisse oder Dinge, die einem noch nicht klar waren, wenn man Persona 5 gespielt hat. Gleichzeitig warte ich beim Spielen einfach nur darauf, dass ich wieder selbst laufen kann.

Wie viel Persona steckt hier drin?

Im Vorfeld wurde Persona 5 Strikers ein bisschen wie der zweite Teil zu Persona 5 gehandelt, allerdings ist er das nur auf die Geschichte selbst gesehen. Alle Aspekte, die Persona 5 zu einem besonderen JRPG machen, fehlen in Strikers vollkommen. Ich kann zwar stellenweise wirklich in der realen Welt herumlaufen und auch die Gefängnisse verlassen, doch etwas zu tun habe ich da nicht unbedingt. Bis auf Shoppen gehen und mit den anderen Phantomdieben reden – die manchmal auch Items geben – gibt es keine sozialen Interaktionen. Kaum Nebenquests. Keine Nebenjobs. Nichts.

So bleibt mir an vielen Stellen wirklich nichts weiter übrig, als der linearen Story zu folgen und zu hoffen, dass wir bald den nächsten Ort erreichen und ich auf diese Weise neue Ausrüstung kaufen kann. Irgendwie ist das wirklich schade.

Dafür gibt es Punkte, die ich sammle, je mehr Bindung ich mit den Phantomdieben aufbaue – Spoileralarm: Diese wird im Grunde automatisch durch die Story aufgebaut. Mit diesen Punkten kann ich immerhin verschiedene Dinge ausbauen und so zum Beispiel mehr Angebote in Sophias Shop generieren oder mein Team stärken. Das ist schon ganz nett, allerdings habe ich nur wenig Einfluss darauf, wie viele Punkte ich wann bekomme. Lediglich beim Kochen steigern sich die Punkte durch meinen direkten Einfluss.

Wie viel Warriors ist wirklich drin?

Wenn Omega Force schon an der Entwicklung beteiligt ist, erwarte ich ein 1:1000 Hack & Slash, richtig? Im Grunde habe ich das tatsächlich erwartet, doch hier hat Persona 5 Strikers ein wenig überrascht, denn es wurde versucht, die normalen Elemente aus Persona 5 auch hier ins Gameplay zu implementieren. So kann ich mich an Gegner heranschleichen, um Kämpfe zu provozieren, in denen ich einen Vorteil habe. Die Gegner selbst verbergen sich hinter Schatten, sodass ich diesen Schatten erst die Maske vom Gesicht reißen muss, um herauszufinden, was sich darunter verbirgt.

In vielen Schatten sind auch viele Gegner versteckt, jedoch komme ich nur in wenige Situationen, die sich wie ein echtes Warriors Spiel anfühlen, denn meistens ist die Anzahl an Gegnern tatsächlich überschaubar. Es gibt auch keine Basen, die ich einnehmen muss, und „Offiziere“ verstecken sich genauso hinter Schatten wie auch normale Gegner. Hin und wieder gibt es Loot in Form von neuen Persona, die ich einsammeln kann. Persona 5 Strikers ist eher ein schlichtes Action RPG, denn ein Warriors Spiel.

Um ein bisschen mehr Tiefgang ins Gameplay zu bringen, wurden die Elemente aus Persona 5 übernommen, sodass Gegner auch Stärken und Schwächen haben. Die meisten normalen Kämpfe sind auf „einfach“ jedoch so schnell vorbei, dass es überhaupt keine Rolle spielt, ob die Gegner jetzt schwach gegenüber einem Element sind oder nicht. Neben normalen Angriffen kann ich auch mit meiner Persona angreifen, schießen, einen „mächtigen Angriff“ starten oder gar meinen Showdown Angriff beginnen – letzteres kommt einem Musou Angriff aus den Warriors Spielen gleich. Aber am Ende ertappe ich mich doch immer wieder bei den gleichen Aktionen: An Gegner anschleichen, mächtigen Angriff starten, Belohnung abgreifen.

Hier wurde versucht, einem Element Tiefgang zu verleihen, das überhaupt keinen Tiefgang bedarf. Und drumherum heißt es einfach nur schlicht und ergreifend: Drauf hauen. Immerhin macht das Kämpfen an sich Spaß.

Und dann gibt es da noch die Gefängnisse…

Persona 5 Strikers versucht die Sequenzen außerhalb der Kämpfe abwechslungsreich zu halten. So hangle ich mich manchmal mit einer sehr ungenauen Sprungsteuerung durch Sidescrollingstrecken oder hüpfe einfach nur so durch die Gegend. Das ist nicht immer einfach und manchmal stehe ich auch ratlos auf irgendwelchen Maps rum, weil ich nicht weiterkomme – dann nutze ich einfach die Schnellreise und gehe zu einem passenderen Punkt auf der Map.

Die Gefängnisse selbst sind dabei unterschiedlich gestaltet und werden mit dem perfekt passenden Soundtrack untermalt – viele Musikstücke kenne ich bereits aus Persona 5, was jedoch nicht verkehrt ist, denn der Soundtrack war damals schon der Hammer! Dennoch sind manche Gefängnisse nervig und entwickeln sich zu reinen Laufpartien, denn natürlich muss ich dann quer durch das Gebiet laufen, um beispielsweise einen Schlüssel zu finden oder den Strom zu aktivieren, nur um dann wieder zurückzulaufen, und weiter gehen zu können.

Persona 5 Strikers versucht, Elemente umzusetzen, die einfach nicht so richtig ins Spiel passen wollen. Ja, das ist gut, dass das Kampfsystem aus den Warriors Spielen ein wenig überarbeitet wurde und ich eben nicht nur alle Offiziere vernichten muss, aber gleichzeitig wirkt es hier stellenweise wie gezwungen und nicht so natürlich wie es sein könnte, was wirklich schade ist.

Visuell kann sich Persona 5 Strikers auf der Switch sehen lassen und trotz vieler Effekte und vieler Gegner kommt die Konsole hervorragend damit zurecht. In ganz, ganz wenigen Momenten bricht die Framerate ein, das ist jedoch so kurz, dass es kaum auffällt und tritt witzigerweise selten in Kämpfen auf. Hier brauchst du dir also keine Gedanken zu machen – die Umsetzung auf der Switch ist super gelungen. Lediglich Kantenflimmern wurde eingebaut, doch das ist das einzige, was mir wirklich technisch auffiel. Zudem kommt Persona 5 Strikers mit einer englischen Sprachausgabe und deutschen Texten daher – was ich persönlich zwar befremdlich finde, was jedoch viele Spieler:innen ansprechen wird.

Fazit: Kein echtes Persona, kein echtes Warriors

Persona 5 Strikers schickt uns in ein ganz neues Abenteuer rund um Begierden, Gefängnisse und Phantomdiebe. Es erzählt dabei viel zu langatmig, was alles geschehen ist und erklärt einfach viel zu viel. Was zu einem Persona 5 passt, wirkt hier einfach nur unnötig und aufgesetzt, so als wolle man die Geschichte künstlich in die Länge ziehen. Da hören die Parallelen zum Namensgeber aber fast schon auf: Persona 5 Strikers weiß nicht, was es sein möchte, denn es ist weder ein echtes Persona, noch ein Warriors Spiel, sondern lässt sich allenfalls als Action RPG mit ewig langen Cutscenes beschreiben, denn soziale Interaktionen kommen so gut wie nicht vor und einen 1:1000 Kampf sieht man eher selten im Spiel.

Ich habe gehofft, dass Persona 5 Strikers einfach nur ein Warriors mit Story sein wird, so was wie Hyrule Warriors: Zeit der Verheerung, doch trotz hervorragendem Soundtrack, tollen Charakteren und einem spannenden und spaßigen Gameplay, das man für meinen Geschmack dennoch mit etwas zu viel Tiefgang versehen hat, kann der Titel einfach nicht mit Persona 5 mithalten. Da hilft auch die ziemlich coole Reise durch Japan nicht weiter. Ich bin mir ehrlich gesagt, nicht sicher, wer die Zielgruppe von Persona 5 Strikers sein sollte, denn mich persönlich hat es nicht wirklich überzeugt. Vielleicht gibt es ja da draußen Action RPG Fans, die sich durch stundenlange Cutscenes arbeiten wollen, für genau diese ist Persona 5 Strikers ein gefundenes Erlebnis.

ProContra
+ Hervorragender Soundtrack– Fehlende Nebenquests, Interaktionen etc.
+ Englische Tonspuren, deutsche Untertitel– Kampfsystem mit unnötigen Tiefgang, der kaum genutzt wird
+ Interessante Geschichte…– … die jedoch viiieeeeel zu langatmig erzählt wird
+ Anschleichen an Gegner– Ungenaue Steuerung bei Sprüngen
+ Tolle Charaktere– Viel „Laufe ans andere Ende der Map und wieder zurück“
+ Interessante Reise durch Japan– Gefängnisse zum Teil unübersichtlich
+ Fast fehlerfreie Umsetzung auf der Switch– Kantenflimmern

Technik: 71
Grafik: 84
Sound: 100
Umfang: 70
Gameplay: 52
KI: 50

Spielspaß: 65

  • Story: Persona5 Strikers erzählt eine Geschichte von Begierden und Gefängnissen, trifft dabei jedoch nicht den Tiefgang vom Namensgeber.
  • Frustfaktor: Manchmal ja, allerdings ist das sehr vom Schwierigkeitsgrad abhängig.
  • Nachhaltigkeitswert: Es könnte so gut sein, aber ich werde mich vermutlich kaum mehr daran erinnern.
  • Design/Stil: Ähnlich wie auch schon in Persona 5: Animestil.
  • Musik und Sound: Genial! Einige wurde aus Persona 5 übernommen.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Einen Umfang für 60 € bringt es schon mit, allerdings muss man sich bei diesem Preis wirklich sicher sein, seinen Spaß damit zu haben.

Offenlegung

Ich habe mir Persona 5 Strikers auf der Nintendo Switch selbst gekauft.

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Beatrice Vogt
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VanillaHare

Sehr ausführlicher Test, ich kann das alles nur so bestätigen.
Ich bin ein langjähriger Persona Fan (habe alle Hauptspiele gespielt, auch Golden, Royal und die zwei Fighting Games) und muss sagen das es dieselben Probleme wie die zwei Fighting Games spinoffs hat:

Die Dialoge wirkten irgendwie…redundant im Gegensatz zu den Hauptspielen, die Story gefiel mir leider auch nicht so wirklich (welche ich aus Spoilergründen natürlich nicht näher erläutern werde :D), aber das Fehlen jeglicher RPG Aspekte wie der klassischen Confidants, Sozialwerte etc…das fehlt leider sehr schmerzlich auf.

VanillaHare

…und bevor ich es vergesse zu erwähnen:
Es ist kein Spinoff zu Persona 5 Royal, was allein deswegen seltsam ist da es jetzt Persona 5 + Spinoff Strikers gibt, oder Persona 5 Royal.

Hierbei würde ich persönlich JRPG Fans die Royal version fehlen, Strikers wurde glaube ich auch während die Entwickler von Persona 5 gerade Royal programmierten von Omega Force umgesetzt. Klar macht es dann mehr Sinn das nicht auf die Royal Inhalte eingegangen werden kann, aber es wirkt als ob man im falschen Film ist wenn man vorher mal Royal gespielt haben sollte.