Redeliver (PC) im Test – Postsystem neugedacht?

()

Es ist schon eine Weile her, dass ich Visual Novels „gespielt“ habe, doch Redeliver klang ganz interessant. Es ist eine kleine Visual Novel, die die Protagonistin Red, das Zustellen von Briefen und einen ziemlich großen Plot in den Vordergrund stellt. Wie sich Redeliver spielt und ob ich dir den Titel bei Steam empfehlen kann, verrate ich dir in meiner Review zum Spiel.

Ich will doch nur zustellen…

In Redeliver schlüpfe ich in die Rolle des jungen Mädchen Red, das zu niemandem nein sagen kann: Ihre Mutter bittet sie darum, eine Medizin zu ihrer Großmutter zu bringen, die ist natürlich zwei Nachbarorte entfernt. Bevor ich als Red allerdings zu Omi gehen kann, muss ich noch beim örtlichen Postamt vorbei, denn dort ist eigentlich mein Wochenendjob. An sich soll ich dort Briefe sortieren, doch da der Weg zu Oma wichtiger ist, sage ich dort ab – nur um wenige Augenblicke später einen ganz neuen Job an der Backe zu haben.

Hier greift auch der Name des Spiels, denn das Postamt hat einen sogenannten Redeliver Service ins Leben gerufen, der derzeit kostenfrei nicht abgeholte Briefe an die Empfänger/-innen ausstellt. Doch da Red und ich nicht nein sagen können, werden wir dazu verdonnert, diese Briefe jetzt auszustellen, obwohl wir eigentlich zur Großmutter wollen.

Auch wenn sich in Redeliver vieles als Visual Novel abspielt, so gibt es auch Elemente, in denen ich mehr machen kann, beispielsweise beim Zustellen der Briefe, denn hier muss ich auf einer vermutlich in Paint gezeichneten Karte die richtigen Häuser anhand von sehr seltsamen Hinweisen finden. Die Dörfer selbst sind dabei relativ klein, doch meistens kennt niemand diejenigen, die die Briefe bekommen sollen, was ich merkwürdig finde.

Was jetzt danach klingt, als würde man in Redeliver nur Zeit damit verbringen, Briefe an Fremde zuzustellen, ist nur die halbe Wahrheit, denn Red schlittert in einen großen Komplett hinein, der an sich fast ein wenig übertrieben ist. Tatsächlich hätte ich mich einfach auf ein ruhiges Post-Zustellspiel mit dem gewissen Etwas gefreut: Einfach nur die Leute kennenlernen und etwas über ihre Geschichte erfahren. Alles drum herum ist fast ein bisschen too much. Ich verstehe, dass man vielleicht hoch hinaus möchte, doch ein kleineres Projekt hätte hier auch ganz gut geholfen, denke ich.

Im Grunde hat man mit Redeliver zwischen einer und zwei Spielstunden Spaß, doch danach bleibt nicht mehr viel im Gedächtnis – doch für den Preis, für den es aktuell bei Steam erhältlich ist, ist es wirklich eine gelungene Unterhaltung. Ein paar mehr Entscheidungen wären im Laufe der Zeit nicht schlecht gewesen und vielleicht auch ein oder zwei unterschiedliche Enden, um noch weiter anzustacheln, dass ich es noch einmal spiele.

Ein bisschen gewöhungsbedürftig

Ich hatte vorher keine Ahnung, was mich in Redeliver erwarten wird, weil mich der Beschreibungstext im Vorfeld interessiert hat. Aus diesem Grund habe ich den Key für Steam überhaupt erst angefragt. Etwas überrascht war ich dann als ich eine Visual Novel vorfand, die vermutlich in Paint gezeichnet wurde. Das Charakterdesign ziemlich nice und auch die Hauptcharaktere unterscheiden sich sehr, lediglich manche NPC sehen gleich aus – aber das ist nicht weiter dramatisch.

Ein bisschen fehlen mir jedoch verschiedene Animationen, die für eine Visual Novel typisch sind. Die meisten Charaktere haben quasi nur zwei Animationen, also Gesichtsausdrücke. Das fehlt mir schon ein bisschen, um mich wirklich mit den verschiedenen Charakteren zu identifizieren. Dafür mag ich die verschiedenen Anspielungen, vor allem auf die Mischung aus „Rotkäppchen“ und „Alice im Wunderland“. Eine sehr gelungene Kombination, wie ich finde, die Spaß macht, entdeckt zu werden – auch wenn ich lieber mehr Briefe zugestellt hätte.

Etwas unschöner finde ich die Hintergründe. Diese scheinen im selben Programm erstellt worden sein, wie auch die Charaktere, allerdings fehlt mir da teilweise die Liebe zum Detail. Viele Elemente sind einfach nur sehr eckig und ohne Schatten, sodass irgendwie alles gleich aussieht, weil sich die verschiedenen Elemente kaum unterscheiden lassen. Das ist zwar auf der einen Seite gut, da auf diese Weise der Stil gewahrt wird, auf der anderen Seite besuche ich mehrere Orte in Redeliver, merke jedoch keinen Unterschied in der Architektur.

Ansonsten ist Redeliver mit englischen Texten, die derzeit noch den einen oder anderen Fehler dabei haben, doch der/die Entwickler/-in versprach, dass sich hier in den nächsten Patches drum gekümmert wird, da die Muttersprache eine andere ist. Ich bin gespannt, wie es sich weiterentwickelt.

Fazit: Ganz nett für wenig Geld

Redeliver ist eine kurze Visual Novel, die für eine bis zwei Spielstunden Unterhaltung bietet, leider bleibt sie hinterher nicht lange im Gedächtnis. Redeliver erzählt die Geschichte von Red, die spontan ein paar Briefe zustellen muss und dabei in ein seltsames Komplott stolpert. Ein bisschen schade finde ich, welche Kreise die Geschichte zieht, denn ich hätte mich eher auf ein ruhiges und entspannendes Spiel gefreut, bei dem ich selbst diese Briefe zustellen kann und viel über die verschiedenen Charaktere lerne.

Dennoch ist Redeliver ganz nett für den Preis, den man am Ende bezahlt, denn der Titel ist für unter 1 € zu erhalten – und dafür lohnt sich ein Blick, auch wenn die Grafik ein wenig gewöhnungsbedürftig ist und die Details in den Hintergründen niemandem hinter dem Ofen hervorlocken.

ProContra
+ Kurze Spielzeit, Gute Preis-Leistung– Hintergründe recht eckig und detailarm
+ Spannende Anspielung auf Rotkäppchen und Alice im Wunderland– Viele Rechtschreibfehler (soll nachgebessert werden)
+ Interessante Hintergrundgeschichte bei den Briefen– Wenige Entscheidungen, geringer Wiederspielwert
+ Einfache Rätsel und Achievements– Geschichte bleibt leider nicht im Gedächtnis
– Ich hätte gerne mehr Briefe ausgetragen

Technik: 66
Grafik: 58
Sound: 70
Umfang: 83
Gameplay: 51

Spielspaß: 68

  • Story: Redeliver erzählt die Geschichte von Red, die Briefe austragen soll und dabei in einen fast schon übertriebenes Komplott gerät.
  • Frustfaktor: Nicht vorhanden.
  • Design/Stil: Das Charakterdesign ist recht hübsch, allerdings fehlt es den Hintergründen an Details und Abwechslung, was schade ist.
  • Musik und Sound: Der ist auch da.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Redeliver kostet knapp 0,80 €. Für den Preis bekommt man circa zwei Stunden ganz nette Unterhaltung.

Offenlegung

Ich habe Redeliver kostenlos vom Entwicklerteam bekommen.

Du hast Interesse am Spiel? Dann schau gerne direkt bei Redeliver bei Steam vorbei.

Wie gut hat dir der Beitrag gefallen?

Durchschnittsdaumen: / 5. Bisher abgegebene Daumen:

Bis jetzt gibt es noch keine Daumen! Sei der erste, der einen abgibt.

Du findest uns nützlich?

Dann folge uns doch in den sozialen Netzwerken!

Erzähl anderen von diesem Beitrag
Beatrice Vogt
Neugierig?
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Kommentare
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen