Trulon: The Shadow Engine (Steam) im Test – Kleines Spiel, große Atmosphäre, große Taktik

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Multimediale Franchises sind kein Phänomen, das erst in den letzten Jahren entstanden ist. Doch ihre Entstehung zu beobachten, ist wirklich spannend: Trulon: The Shadow Engineaus dem Hause Kyy Games ist der Beginn eines neuen Steampunk-Franchises, denn im Laufe des Jahres soll der erste Roman Shadow Gears aus dem Universum erscheinen. Entstanden ist Trulon übrigens in der Zusammenarbeit des Spieldesigners Johan Lillbacka und des Autores Jak Koke. Wir haben uns das Videospiel-Debüt auf dem PC angesehen und verraten euch im Test, ob wir in den Bann gezogen wurden.

Rette Tripudia!

Über Tripudia breitet sich eine merkwürdige Krankheit aus – Und noch dazu halten sich maelonische Animae, fiese Roboter, bedrohlich nahe an der Grenze zum idyllischen Tripudia auf. Ihr schlüpft in Trulon: The Shadow Engine in die Rolle von Gladia, die sich aufmacht, diesem Umstand auf den Grund zu gehen.

Trulon: The Shadow Engine schafft es, ein düsteres, atmosphärisches und gefährlich wirkendes Universum zu schaffen, von dem wir tatsächlich bald gerne mehr sehen würden. Zu den großen Stärken des Spieles gehören die gelungenen Schauplätze mit ihrer wunderbaren Musikuntermalung: Daran, dass die einzelnen Orte von der Größe her sehr übersichtlich sind, egal ob Stadt oder Wald, und dass man beim Storytelling auf Zwischensequenzen oder auch eine Synchronisierung verzichten muss, merkt man, dass Trulon: The Shadow Engine seine Premiere auf Smartphones feierte.

Die Story wird in recht knappen Dialogen erzählt, die man lesen und durch die man sich hindurchklicken muss – Und hier ist Aufmerksamkeit gefordert. Die Informationen im Questlog sind nämlich nicht besonders umfassend, also müsst ihr euch teilweise selbst merken, was ihr tun müsst. Nur die allerwichtigsten Objekte sind zudem mit einer glitzernden Optik als wichtig zu erkennen. Zusätzliche Quests könnt ihr aber beispielsweise von NPCs bekommen, in dem ihr einfach alle anquatscht, die da so rumstehen. Gelbe Ausrufezeichen gibt es nicht. Spricht man die Figuren nach dem Annehmen einer Aufgabe nochmal an, geben sie häufig zusätzliche Hinweise, z.B.: „Die Mine befindet sich im Westen.“

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Die Oberwelt, hier: Tripudia.

In die Karten geschaut

Die Fortbewegung zwischen den verschiedenen Gebieten erfolgt über eine Oberweltkarte. Zunächst scheint es hier nichts zu tun zu geben, jedoch wird man bald mit dem ersten „Zufallskampf“ konfrontiert. Wirklich zufällig sind die Kämpfe nicht, denn je nach Spielfortschritt scheinen sie jeweils einmal an einer bestimmten Stelle ausgelöst zu werden, und noch dazu darf man sich aussuchen, ob man die optionale Erkundungsmöglichkeit auch nutzt. Nicht immer verbirgt sich in den kleinen Zwischenlevels dann ein Kampf, teilweise gibt es auch nur eine Kiste zu öffnen oder Gaudium- bzw. Dolorum-Kugeln einzusammeln, die zwei Arten von Magie, auf die die Figuren in Trulon: The Shadow Engine zugreifen.

Im Kampf offenbart Trulon: The Shadow Engine dann schon zum Spielbeginn seine taktische Seite. Kämpfe laufen rundenbasiert ab, kommen jedoch mit einem Kniff daher: Fertigkeiten eurer Figuren stehen nämlich nicht einfach so zur Verfügung, sondern werden über Sammelkarten ausgelöst, die ihr im richtigen Moment ausspielen müsst. Von Anfang an zeigt sich so ein gewisser Glücksfaktor, denn manche Kämpfe haben es wirklich in sich. Bekommt ihr da nicht die richtigen Karten auf die Hand, zunächst maximal drei, später vier, kann es schnell brenzlig werden.

Seine richtige Tiefe entfaltet Trulon: The Shadow Engine leider erst in der zweiten Spielhälfte: Mit insgesamt vier Gruppenmitgliedern und mehr Karten im Deck jeder Figur (bestimmte Karten können nur von bestimmten Figuren eingesetzt werden, während andere Karten in einem großen Pool für alle Figuren landen) sind nämlich mächtige Kombinationen möglich, und man beginnt öfter zu überlegen, ob man diese oder jene Karte jetzt schon ausspielen sollte oder lieber warten sollte, bis der richtige Partner dafür verfügbar ist. Ihr könnt auch davon ausgehen, dass eure Gegner über mächtige Karten und Kartenkombinationen verfügen!

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Die Kämpfe sind anspruchsvoll und taktisch, entfalten aber erst in der zweiten Spielhälfte ihre ganze Tiefe.

Was du kannst, kann ich schon lange!

Hier liegt irgendwo ein Schwachpunkt in Trulon: The Shadow Engine, denn: Jedes Mal, wenn ihr ein neues Gruppenmitglied gewinnt, was ihr übrigens rein gar nicht beeinflussen könnt, bekommt ihr natürlich auch Zugriff auf neue taktische Möglichkeiten, da jede Figur quasi einer anderen Klasse angehört. Im Prinzip habt ihr zum Spielende einen Angreifer, einen Heiler, einen Verteidiger und einen Magier, könnt also richtig austeilen.

Überlegenheit oder wenigstens das Gefühl, wirklich stärker geworden zu sein, gibt euch Trulon: The Shadow Engine aber leider nicht: Die Gegner leveln zumindest mit und irgendwie hat man den Eindruck, für jeden kleinen Revolver, den ihr dazu gewinnt, halten die Gegner mit fünf Bazookas entgegen. Meistens sind nämlich ausgerechnet die Kämpfe, die man mit einem verstärkten Team zuerst bestreitet, am schwierigsten – Das ist eine unglückliche Designentscheidung und verstärkt insgesamt den Eindruck des eher schwachen Balancings, denn manches ist zu leicht, anderes zu schwierig. Wenigstens ist die KI insofern fair, bzw. eher ein bisschen dümmlich, als dass sie Teamkollegen nicht gleich erledigt, wenn sie könnte, sodass man häufig noch ein bis zwei Bonusrunden kassiert.

Zum Ende des Spieles ist viel Ausdauer vonnöten, denn die Matches können schon mal eine Weile dauern. Übrigens ist euer Kartenvorrat nie so richtig erschöpft, denn es steht euch jederzeit ein Standardangriff sowie ein Joker zur Verfügung, der eine zufällige Karte aus dem Deck der Spielfigur ist. Jede Spielfigur hat also einen anderen Joker, setzt ihr in ein, wird er durch eine neue Karte in der nächsten Runde ersetzt. Lange hinauszögern könnt ihr die Kämpfe trotzdem nicht, denn sind die Karten für zum Beispiel das Heilen der Teamkollegen erschöpft, gehört schon viel Glück dazu, dass ihr sie als Joker zieht!

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Angst? Jap, Kämpfe wie dieser sind recht heftig.

Brauche Mana!

Während Gaudium und Dolorum zunächst scheinbar einen unendlichen Vorrat haben, werdet ihr ebenfalls erst in der zweiten Spielhälfte merken, dass es sich dabei um wertvolle Einheiten handelt. Während die Gesundheit aller Figuren nach jedem Kampf automatisch regeneriert wird, passiert das mit den beiden Magie-Einheiten nämlich nicht. Die Lösung sind die erwähnten Kugeln, die euch auch noch Erfahrungspunkte gewähren. Wir haben sie am Anfang des Spieles immer sofort eingesammelt, als wir sie entdeckt haben – Später haben wir uns das gut überlegt.

Dinge wie die Schatzsuchen auf der Weltkarte sind noch weitere Dinge, um euch ein bisschen bei Laune zu halten – Das könnt ihr erledigen, während ihr die spärlichen Gelegenheiten zum Training nutzt, die in den schon erwähnten „Zufallskämpfen“ bestehen, die keine echten Zufallskämpfe sind. Die Effekte eines einzigen Levelaufstieges sind in den Kämpfen schon sehr deutlich spürbar, also lohnt es sich, die Umgebung eher einmal zu viel abzugrasen als zu wenig.

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Das Questlog hilft euch nur teilweise weiter.

Alles auf 0!

Bei uns hat ein ärgerlicher Bug den Spielspaß für eine Weile ein bisschen in den Keller gezogen: Nach der Lösung eines mal ein bisschen verzwickteren Rätsels hängte sich das Spiel nämlich einfach auf. Uns blieb nichts anderes übrig, als Trulon: The Shadow Engineüber den Taskmanager zu beenden. Danach war zwar unser Spielstand noch da und im Prinzip auch unser Fortschritt gespeichert, aber irgendwie auch nicht: Die Spielwelt war quasi auf Anfang zurückgesetzt, alle Gegner in den eigentlich leergeräumten Gebieten wieder da und auch alle Questobjekte waren wieder in der Welt.

Unsere Quests blieben trotzdem abgeschlossen, auch wenn wir uns mit dem aktuellen Quest-NPC noch einmal durch die Dialoge aller bisherigen Quests klicken mussten. Darüber hinaus waren auch alle Gegner und Kisten wieder da, womit uns Trulon: The Shadow Engine quasi das Cheaten ganz leicht machte: Alle Gegner- und Kistenbelohnungen konnten wir nämlich noch einmal einsammeln, obwohl wir sie schon hatten!

Dieser Bug ist also kein Spielstopper, sollte aber trotzdem behoben werden, denn verwirrend ist es allemal. Ansonsten sind uns soweit keine Fehler aufgefallen und auch an der Technik gibt es nicht viel zu rütteln – Bedenken sollte man eben, dass man es mit einem Spiel zu tun hat, welches auf Smartphones sein Debüt feierte. Das merkt man an der Größe der Gebiete und der Spielwelt an sich und an der Steuerung, wobei quasi Toucheingaben auf die Maus umgemünzt wurden. Stilistisch und atmosphärisch sowie vom Gameplay her kann es Trulon: The Shadow Engine aber trotzdem mit wesentlich größeren Spielen aufnehmen – Abgeschlossen habt die Geschichte übrigens in unter zehn Stunden, es gibt eine Errungenschaft dafür, es in unter fünf zu schaffen.

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Für manche wiederkehrende Gegner gibt es keine Belohnung – Auch doof.

Fazit: Bigger on the inside

Trulon: The Shadow Engine ist ein Titel, der vom Smartphone umgesetzt wurde – Und dennoch braucht sich der Titel nicht vor größeren Titeln zu verstecken. Der Auftakt des neuen Trulon-Franchises begeistert mit guter Atmosphäre, einem tollen Soundtrack sowie einem gelungenen Kampfsystem, das leider erst in der zweiten Spielhälfte so richtig in Fahrt kommt und dann gleichzeitig auch Einiges an Ausdauer pro Kampf benötigt.

Die kleinen Auflockerungen durch Rätsel und Erkundungsaufgaben tun dem Spielerlebnis gut, Schwächen sind jedoch das eher schwache Balancing und das Gefühl, trotz großer Fortschritte in der Heldengruppe dem Feind immer unterlegen zu sein, denn der levelt einfach mit oder setzt noch eines drauf. In unserem Spiel trat zudem ein ärgerlicher Bug auf, der die Spielwelt quasi auf Null zurücksetzte, unseren Fortschritt aber dennoch erhalten lies – Und somit direkt größere Vorteile verschaffte. Sonst geht auch der Umfang des Titels von knapp zehn Stunden für den einmaligen Durchgang in Ordnung. Trulon: The Shadow Engine hat auf alle Fälle erreicht, dass wir mehr des Universums sehen wollen – Gerne auch in Spieleform.

Pro Contra
+ Tolle Atmosphäre – Schwaches Balancing
+ Passende Musik – Kampfsystem entfaltet erst spät seine Tiefe
+ Taktisches und motivierendes Kampfsystem – Kämpfe gegen Spielende mitunter langatmig
+ Quests werden nicht automatisch markiert, NPCs müssen selbst angesprochen werden – Bug, der die Spielwelt zurücksetzte
+ Schatzsuchen und Rätsel lockern das kampflastige Gameplay auf

Technik: 78

  • Grafik: 78
  • Sound: 85
  • Gameplay: 81
  • Umfang: 79
  • KI: 68

Spielspaß: 78

Einzelspieler:

  • Story: Eigentlich recht einfach gestrickt, aber atmosphärisch sehr stark – Man wird in die Welt hineingezogen.
  • Wiederspielwert: Moderat – Die Errungenschaft, das Spiel in unter fünf Stunden zu beenden, ist für den zweiten Durchgang eine Herausforderung.
  • Frustfaktor: Stellenweise vorhanden, v.a. durch mangelndes Balancing.
  • Design/Stil: Sehr stimmig. Auch die eher kleinen Gebiete sind gut in Szene gesetzt.
  • Musik/Sound: Die Musik passt sehr gut und stützt die Atmosphäre. Auf eine Synchro muss man verzichten.

Informationen zum Testgerät
Intel Core i5-3470 (3.20Ghz)
8,0GB RAM
Radeon HD 7990 (3GB)
Titel installiert auf 2TB-Festplatte (7.200 U/min)
Windows 10 Professional (64 bit)

Wir bedanken uns bei Headup Games für die Bereitstellung des Downloadcodes zu Trulon: The Shadow Engine!

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Manuel Eichhorn
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