Assassin’s Creed Valhalla (PS5) im Test – Ein ganzes Wikingerleben

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Vor einigen Jahren bin ich Fan der Assassin’s Creed Reihe geworden – und seit Assassin’s Creed IV Black Flag habe ich keinen Teil mehr ausgelassen. Umso spannender ist es, die Entwicklung zu sehen, die die Reihe mittlerweile durchmacht. Auf Assassin’s Creed Valhalla war ich besonders gespannt – das Setting interessiert mich, da ich die Vikings Serie aber nicht kenne, ist es für mich noch unverbraucht. Warum Ubisoft die Reihe mit Valhalla ein weiteres Mal toppt, erfahrt ihr in der Review.

Zäh im Norden

Eivors Reise in Assassin’s Creed Valhalla beginnt in Nordvege. Und zu diesem Beginn hatte ich nicht wirklich gedacht, dass mich das Spiel dauerhaft fesseln könnte – der Anfang war recht zäh. Nicht nur, weil es die Kälte so von einem abforderte, sondern weil alles recht langsam ging. Das „Intro“ von Assassin’s Creed Valhalla, bis man dann endlich nach Englaland zur großen Eroberungsmission aufbricht, geht auch länger, als man denkt. Ich habe dadurch, dass ich mir noch recht viel angesehen habe, glaube ich rund vier Stunden in Nordvege verbracht.

Schon zu diesem Zeitpunkt ist Assassin’s Creed Valhalla wunderschön, ist aber nur ein Schatten dessen, was es später einmal wird. Auffällig ist schon hier das gut an das Wikinger-Setting angepasste Gameplay. Assassin’s Creed Valhalla fühlt sich nach Odyssey sofort vertraut an, aber dennoch anders: Es ist alles ein wenig schwerfälliger, und während sich auch das Kampfsystem nicht grundlegend verändert hat, ist es dennoch taktischer. In Odyssey konnte man viele Kämpfe auch mit Buttonsmashing erledigen. Das klappt nun weniger gut – auch wenn man teils ganz schön überpowert ist, aber wehren tun sich die Gegner schon.

Womit man sich im kalten Norden auch schon vertraut machen kann: Schilde sind zurück im Kampf, doch davon abgesehen darf man so gut wie alle Waffen doppelt führen. Eine in die linke, eine in die rechte Hand, mit der passenden Fertigkeit kann man sie später sogar auf Knopfdruck tauschen. Einfach cool und dadurch bekommt die Ausrüstung in Assassin’s Creed Valhalla auch nochmal eine ganz andere Wertigkeit. Ihr merkt schon: Den Einstieg an sich fand ich etwas zäh, aber an diesen Highlights konnte ich mich schon mal entlanghangeln.

Nordvege ist wunderschön, hat mich aber noch nicht so gefesselt.

Englaland liegt vor dir

Seine richtige Größe entfaltet Assassin’s Creed Valhalla erst, als man mit Eivor und seiner Crew in Englaland angekommen ist – und auch erst, wenn man dort schon einige Stunden gespielt hat. Und hier macht Valhalla so gut wie alles besser als sein Vorgänger. Dass zu fangende Notizen und Sammelobjekte im Stile der Shanty-Notenblätter aus den Vorgängern wieder zurück sind, werde ich dem Team zwar nicht verzeihen, aber davon abgesehen ist Valhalla locker eine Stufe weiterentwickelt worden.

Assassin’s Creed entwickelt sich immer mehr zum echten RPG und wird durch mehr und mehr Elemente erweitert und immer vielfältiger. Bei Odyssey habe ich gesagt, dass so schon Origins hätte sein sollen, und nun, bei Valhalla sage ich, das so schon Odyssey hätte sein sollen.

Auf wundersame Weise schafft es Assassin’s Creed Valhalla insgesamt, einem mehr Freiheiten zu liefern und einen in eine vielfältigere Welt zu werfen, andererseits legt es aber auch mehr Wert auf die Story, macht diese prominenter, sodass nie der rote Faden verlorengeht. Ich glaube, der Schlüssel dazu ist die Siedlung, die man im Laufe des Spieles aufbaut. Man kehrt hier hin nicht nur zurück, um die Siedlung immer wieder zu erweitern, sondern auch, um die Story voranzutreiben. Ein Element, das den Unterschied macht.

Erobern?

Wunderschön und vielfältig

Assassin’s Creed Valhalla wäre kein Ubisoft Spiel, wenn es in der Welt nicht fast schon übertrieben viel zu tun gäbe. Doch auch hier haben die Entwickler:innen gelernt: Statt viel zu vieler Copy & Paste Nebenquests setzt Valhalla auf Welt-Ereignisse, die wesentlich vielfältiger sind. Sie sind zwar teils sehr kurz und dienen im Wesentlichen dem Verdienen von Erfahrungspunkten, sind aber sehr vielfältig und fast immer spaßig oder ein Abbild der Spielwelt oder der Zeit. Auf diese Weise macht es einfach viel mehr Spaß, die Welt nach To-Dos und Reichtümern abzusuchen.

Ein wenig seltsam in Assassin’s Creed Valhalla ist immer noch der Haushalt mit Rohstoffen, man benötigt übertrieben viel von allem und hat irgendwie doch zu wenig – so wirkt es zumindest manchmal. Dass der Siedlungsbau nicht so schnell vorankommt und vor allem von Raubzügen und Storyfortschritt abhängt, ist in Ordnung, allerdings kommt man vor allem bei der Ausrüstung manchmal nicht so weiter, wie man sich das wünscht. Aber am Ende passt es doch irgendwie. Wie auch immer: Assassin’s Creed Valhalla vermittelt einem kaum ein Gefühl, wie viele Rohstoffe man hat.

Englaland ist jedenfalls aber viel weiter davon weg, ein einfaches Abarbeiten darzustellen als jemals eine Welt zuvor. Nach einigen Spielstunden schleicht sich zwar dennoch eine gewisse Routine ein, da man immer wieder die Spielwelt nach offenen Aufgaben, einem Funkeln oder einem Schatz scannt, um dorthin zu laufen, dennoch lädt sie diesmal auch zu mehr Erkundung ein – und einfach auch zum Genießen. Englaland ist wunderschön!

Ganz neue Vielfalt ermöglicht auch die Charakterentwicklung: Sehr umfangreich kann man Eivor genau dorthin entwickeln, wohin man möchte. Dazu stehen ein Haufen Fertigkeiten zur Verfügung. Aktive Fähigkeiten dagegen müssen diesmal in Büchern in der Welt gefunden werden und können nicht einfach so gelernt werden. Gefällt mir sehr gut!

Fähigkeiten und Waffenarsenal ermöglichen einen individuellen Spielstil.

Man kann nicht jede Technik beherrschen

Ich kann klar sagen: Technisch hatte ich mir Assassin’s Creed Valhalla unrunder vorgestellt. Auch vor dem letzten Patch lief das Spiel auf der PS5 insgesamt schon gut – ich spiele im Modus für Bildqualität, da das Spiel hier teils einfach atemberaubend aussieht und ich auch ohne 60 Bilder pro Sekunde ganz gut leben kann.

Kleine Bugs gibt es immer wieder – und vor allem die NPCs verhalten sich manches Mal noch immer nicht viel besser als in Ablegern der Reihe vor einigen Jahren. Generell ist die KI von Wachen auch wieder eher dümmlich und verzeiht manchen Fehler zu viel. Während beim Rest der Technik – vor allem auf grafischer Seite, aber auch beim Realismus der Spielwelt – eine deutliche Steigerung in Assassin’s Creed Valhalla zu erkennen ist, auch im Vergleich zum Vorgänger,

Grobe Schnitzer gibt es technisch in Assassin’s Creed Valhalla nicht – eher Kleinigkeiten, die immer wieder auffallen, wie sich verhakende NPCs, oder hängende Welt-Ereignisse, die meist mit einem Neuladen des Spieles doch noch abgeschlossen werden können. Noch nicht ganz verschwunden ist ein Fehler, der Assassin’s Creed Valhalla auf meiner PS5 immer mal wieder kurz einfrieden lässt. Kommt aber nach dem Patch auf die Version 1.1.0 nicht mehr so häufig vor.

Was aber wirklich Lust auf mehr macht: Der Soundtrack. Die Soundkulisse ist einfach episch und passt wunderbar. Der Soundtrack, der von Jesper Kyd stammt, macht ebenso viel Spaß wie die Soundkulisse selbst. Auch die deutsche Synchronisierung ist gut gelungen und greift zum größten Teil wieder auf sehr bekannte Sprecher inklusive perfekter Besetzung zurück. Gut gemacht, Ubisoft!

Auf den Thron setzen klappt nicht so gut. Aber so schlimm ist der Rest dann technisch gar nicht.

Örlög, Spottstreit und Co: Die Freuden des Wikingers

In dieser Ausprägung eine Premiere für Assassin’s Creed: Die Welt ist auch gespickt mit Minispielen und Nebenevents. Wetttrinken und Spottstreit kann ein gutes Einkommen generieren, während das Spottstreiten auch das Charisma Eivors steigert, wodurch in manchen Dialogen extra Optionen zur Verfügung stehen. Man kann sich schon fast vorstellen, wie Ubisoft die RPG Komponenten von Assassin’s Creed in Zukunft erweitern könnte.

Das Balancing in der Spielwelt passt nicht immer ganz: Je nach Vorgehen kann man ziemlich übermächtig sein an vielen Stellen. Dafür rennt man immer mal wieder in viel zu schwierige Gegner, was vorher nicht erkennbar ist – das ist nicht ganz so elegant gelöst. Vor allem aber auch bei manchen Aufträgen und den Verträgen passt die Stufenangabe oft gar nicht – hoffentlich bessert das Team hier nochmal nach.

Im Vergleich dazu fast die härteste Nuss: Örlög, ein Würfelspiel. Hier sind die Gegner teilweise sehr fies drauf und haben einfach mehr Glück beim Würfeln als ich. Örlög hat für mich wirklich die frustrierendsten Momente in Assassin’s Creed Valhalla ausgelöst – dennoch lädt es dazu ein, eine Spielsession einfach mal entspannter ausklingen zu lassen. Und die Sessions sind dann doch manchmal länger ausgefallen als geplant.

Ganz was anderes kann man auch machen.

Fazit: Ein spannendes Wikingerleben

Assassin’s Creed Valhalla ist für mich das bisher beste Assassin’s Creed. Bei Odyssey vor zwei Jahren habe ich gesagt, dass so schon Origins hätte sein sollen – jetzt sage ich das bei Valhalla im Hinblick auf den Vorgänger wieder. Das liegt daran, dass Ubisoft die RPG Elemente immer weiter ausbaut – aber auch bei entscheidenden Schwächen gelernt hat. Ja, manches Mal hat Englaland immer noch was von To-Dos abhaken, aber insgesamt ist die Spielwelt diesmal deutlich spannender: Vielfältige Welt-Ereignisse machen’s möglich. Und trotz mehr Vielfalt & Freiheit gibt es diesmal mehr Fokus auf die Story, allein schon durch die eigene Siedlung als motivierenden Dreh- und Angelpunkt. Technisch läuft Assassin’s Creed Valhalla größtenteils rund – kleine Wehwehchen gibt es aber immer wieder. Hier und beim Balancing ist noch nicht alles so, wie es sein soll. Während ich immer wieder gern nach Englaland aufbreche, hoffe ich, dass Ubisoft diese Dinge noch fixen kann – erfreue mich daher aber weiterhin an dieser wunderschönen Welt.

ProContra
+ Wunderschöne Spielwelt– Einige technische Wehwehchen
+ Große Vielfalt in der Welt– Balancing im Spiel nicht perfekt
+ Gelungene Geschichte– Örlög erstaunlich frustrierend
+ Fokus auf Geschichte trotz Freiheiten– Etwas zäher Einstieg
+ Siedlung als guter Dreh- und Angelpunkt
+ Super Soundkulisse + Synchro
+ Gutes Kampfsystem

Technik: 85

  • Grafik: 88
  • Sound: 95
  • Umfang: 95
  • Gameplay: 85
  • KI: 63

Spielspaß: 93

Einzelspieler:

  • Story: Assassin’s Creed Valhalla erzählt eine Geschichte voll Politik und von der Eroberung Englalands – umfangreich und gelungen.
  • Nachhaltigkeitswert: Assassin’s Creed Valhalla beschäftigt in erster Linie lange. Es ist ein riesiges Abenteuer, welches auch noch erweitert werden wird. Daher ist es auch ein nachhaltiges Spielerlebnis.
  • Frustfaktor: Nur stellenweise vorhanden – manchmal läuft man unerwartet in Gefahr, das Balancing passt nicht immer. Örlög kann auch frustrierend sein.
  • Design/Stil: Assassin’s Creed Valhalla begeistert mit einer wunderschönen Spielwelt. Der Stil ist stimmig.
  • Musik/Sound: Die Soundkulisse ist super!
  • Preis-/Leistung: Der Vollpreis ist auf jeden Fall angemessen.

Offenlegung & Unterstützung

Wir haben Assassin’s Creed auf PS5 selbst gekauft.

Assassin’s Creed Valhalla ist erhältlich für: PS4* | PS5* | Xbox One* | Xbox Series* | PC* | Stadia

*Als Amazon Partner verdienen wir unter Umständen an qualifizierten Einkäufen.

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Manuel Eichhorn
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Dominik

Guter Test 🙂 Ich hatte Assassins Creed seit Teil 1 gespielt. Was sich seitdem alles verändert hat ist schon der Hammer! Besonders Teil 3 hat mich damals etliche Spielstunden gekostet *grins*. Die PS5 werde ich mir noch besorgen da ich das Spiel auch gerne auf dieser Konsole spielen möchte. Das immer mehr RPG Elemente ihren Weg ins Spiel finden ist sehr erfrischend und tut der Reihe bestimmt gut 🙂 Bin gespannt welchen Eindruck dieser Teil bei mir hinterlassen wird.