Toren (PS4) im Test – Ein erwachsenes Abenteuer übers Erwachsenwerden

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Das brasilianische Entwicklerstudio Swordtales bringt mit Toren sein Erstlingswerk auf den PC und die PS4. Man verspricht ein wunderschönes Abenteuer über die Menschheit und das Erwachsenwerden. In der Rolle des Mädchens Moonchild müsst ihr den Turm Toren erklimmen, den Drachen an dessen Spitze besiegen und so eure Freiheit gewinnen. Ob diese Reise überzeugt, verrät unser Test der PS4-Fassung.


Die wunderschöne Gestaltung

Toren überzeugt von der ersten Minute an mit einem wunderschönen Artdesign, das nicht nur detailreich ist, sondern auch auf viel Abwechslung ausgelegt ist. Die Entwickler haben es dabei nicht nur geschafft, den Zeitverlauf während der Erkundungsreise einzufangen, sondern auch das Erwachsenwerden von Moonchild äußerst gekonnt zum Ausdruck zu bringen. Während wir am Anfang die ersten Schritte sogar noch als Kleinkind tun, haben wir es am Ende mit einer jungen Frau zu tun, die sich der Bedrohung in Form des Drachens stellen muss.

Die Erzählung der Story bettet sich gut in den Stil des Spieles ein. Die wichtigsten Elemente der Geschichte erfährt man aus den „Träumen“ von Moonchild, quasi optionale Spielelemente, die jedes Mal eine andere Aussage transportieren und zudem interessante Facetten des Heldendaseins diskutieren. „Jede Klinge wird durch das Blut unschuldiger stärker“ – Wer den Inhalt dieses Satzes durchdenkt, kann das im Spiel sinnvoll nutzen, nur um ein Beispiel zu nennen. Die Träume haben dabei jedes Mal ein gänzlich anderes Design und sehen jedes Mal großartig aus.

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Die altbackene Technik

Im Gegensatz zu dieser sehr gelungenen Gestaltung der Spielwelt und der Protagonisten steht die äußerst angestaubte Technik. Nur in den wenigsten Momenten sieht Toren für PS4-Verhältnisse grafisch gut aus. Am schlimmsten wiegen aber die extrem starken Bildzeilenverschiebungen (Tearing), die besonders beim Bewegen der Kamera auffallen. Dass die PS4 gleichzeitig die Lüfter ordentlich aufdreht, zeigt, dass Toren nicht besonders gut auf die Hardware optimiert wurde.

Glücklicherweise halten sich die technischen Macken gerade noch so in Grenzen, dass sie das Spielerlebnis größtenteils nicht wesentlich beeinflussen, obwohl es auch ärgerliche Mängel bei Steuerung und Kollisionsabfrage gibt: Stellenweise bleibt Moonchild an einigen Stellen einfach für ein paar Momente hängen, manchmal fällt sie auch durch den Boden oder durch die nächste Plattform, die wir mit einem Sprung erreichen wollen. Zum Glück gibt es sehr faire Rücksetzpunkte, die in so einem Fall greifen. Zusammen mit dem eher niedrigen Schwierigkeitsgrad gibt es in Toren so kaum Frustpotential. Wenn man an einer Stelle scheitert, liegt das meist daran, dass man ihre Mechanik noch nicht durchschaut hat und am eigenen Vorgehen feilen sollte.

Erstaunlicherweise fügen sich die genannten technischen Macken insgesamt sogar recht stimmig ins Gesamtbild von Toren – Ob gewollt oder nicht, versprüht das Spiel gerade deshalb den Charme eines wunderbaren Action-Adventures der PS2-Ära – Auch wenn das von technischer Seite her nicht unbedingt als Kompliment gemeint ist.

Vom Gameplay her hat uns Toren mit einer gelungenen Mischung aus wenigen Kämpfen, der Erkundung der wunderschönen Spielwelt, einer vielschichtigen Story über die Menschheit sowie einigen Rätsel- bzw. Geschicklichkeitseinlagen insbesondere in den gelungenen Bosskämpfen überzeugt. Schade, dass das alles doch recht schnell vorbei ist: Toren lässt sich ohne Probleme in einer Sitzung von ungefähr zweieinhalb Stunden abschließen – Und zwar mit 100% der Trophäen.

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Die Technik hinkt dem Artdesign hinterher.

Fazit: Kurz, aber gut

Toren ist ein schönes Abenteuer und macht sich gut in fast jeder PS4-Bibliothek. Und während sich die technischen Macken beinahe schon dafür nützlich machen, dass Toren einen überaus gelungenen Charme klassischer Action-Adventures versprüht, so kann der einzige echte Makel der sein, dass Toren schon nach zwei Stunden die Puste ausgeht und man vermutlich alles gesehen hat. Doch auf dem Weg zum Ziel überzeugt das Spiel mit einer stimmigen Story und Gameplayelementen, die zum Nachdenken anregen, einer gelungenen Entwicklung der Protagonistin und einer wunderschönen Spielwelt, die zum Verweilen einlädt. Für den kompakten Preis von 10€ können wir so noch eine Empfehlung aussprechen.

Pro Contra
+ Vielschichtige Geschichte in einer tollen Spielwelt – Unheimlich heftige Bildzeilenverschiebungen (Tearing)
+ Wunderschöne „Träume“ von Moonchild mit Aussagen zum Nachdenken – Stellenweise Probleme mit Steuerung und Kolissionsabfrage (z.B.durch Boden fallen)
+ Gelungene Entwicklung der Protagonistin bis zum Erwachsenenalter
+ Gelungene Gameplaymischung aus Erkundung, Rätsel, Geschicklichkeit und Kampf
+ Insgesamt eine sehr stimmige Reise… – … die mit gut zwei Stunden für 100% aber doch sehr kurz ist
+ Schöne Musikuntermalung… – … die zu leise eingestellt ist

Technik: 67

  • Grafik: 53
  • Sound: 78
  • Gameplay: 77
  • Umfang: 56
  • KI: 70

Spielspaß: 80

Einzelspieler:

  • Story: Eine gelungene Geschichte rund um die Menschheit und das Erwachsenwerden.
  • Wiederspielwert: Die kompakte Größe lädt eigentlich dazu ein, Toren noch einmal zu spielen – Da man aber problemlos im ersten, zweistündigen Durchgang auch alle Trophäen verdient, wird es bei den meisten wohl bei einem Durchgang bleiben.
  • Frustfaktor: Sehr gering. Teilweise kleine Ärgernisse mit der Steuerung.
  • Design/Stil: Wunderschön und stimmig. Die technische Seite hinkt hinterher.
  • Musik/Sound: Sehr gelungene Musikuntermalung, die aus irgendeinem Grund viel zu leise ist.

Information: Ein Testmuster zu Toren wurde uns freundlicherweise vom Publisher Versus Evil zur Verfügung gestellt.

Informationen zum Testgerät
Plattform: PlayStation 4
Hardware: Standard, ohne ausgetauschte Hardware
Alter des Geräts zum Testzeitpunkt: 1 Jahr, 5 Monate (PS4 Launchkonsole)

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Manuel Eichhorn
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