Summer Catchers (Switch) im Test – Auf der Suche nach der Sonne

0
(0)

Vor einigen Tagen flatterte eine Pressemitteilung zu Summer Catchers in mein Postfach – durch Screenshots und Beschreibung musste ich hier einfach Ja sagen. Wir begleiten ein Mädchen auf ihrem Roadtrip dahin, zum ersten Mal die Sonne, das Meer und den Sommer zu sehen. Warum mich Summer Catchers irgendwo zwischen Frustration und Begeisterung zurücklässt, erfährst du in der Review.

Einfach mal die Sonne sehen

Ganz ehrlich: Die Geschichte von Summer Catchers verzaubert und was die Inszenierung betrifft, gehört diese Spiel zum Stärksten, was ich in den letzten Monaten gespielt habe. Ziemlich sicher dürfte es auch eins meiner Highlights 2021 sein und werden. Du begleitest in Summer Catchers Chu, die einfach mal nur den Sommer sehen möchte: Bisher kennt sie nur ihre Heimat, einen verschneiten und eisigen Wald.

Chu macht sich mit einem selbst gebauten Fahrzeug auf den Weg, nach Süden, zum Meer und zur Sonne, zu fahren. Du begleitest sie – doch auf dem Weg trifft sie auch noch viele andere Gefährt:innen. Während einige von ihnen zu Freunden werden, versuchen andere auch, ihre Reise zu verhinden – und wenn es nur ist, weil der Lärm ihres Fahrzeugs sie stört.

Summer Catchers inszeniert meisterhaft und begeistert auch mit seinem Stil – ein junges Mädchen, das sich auf die Reise macht, etwas ihr bisher Unbekanntes zu sehen: Die Abenteuerlust der Protagonistin ebenso wie die Rückschläge, die auf der Reise lauern, sind wunderbar dargestellt.

Die Mission der Protagonistin ist klar.

Echte Freunde, echter Frust

Und so fährt man durch verschiedene Umgebungen bis zum Ziel. Summer Catchers ist einerseits so etwas wie ein Endless Runner (oder Driver), andererseits aber auch ein knallhartes Spiel: Das Scheitern und der damit einhergehende Frust gehören dazu. In jedem der wunderschönen Gebiete im Spiel gibt es einen Rückzugsort, in dem man neue Items kaufen kann und optische Anpassungen für die Protagonistin und ihr Fahrzeug.

Sobald man die Basis verlässt, fährt man durch Landschaft und muss Aufgaben erledigen, die einem jeweils den Weg ins nächste Gebiet freimachen. Um die Aufgaben zu erfüllen und überhaupt weiterzukommen, braucht man Items, die man vorher erwirbt. Doch in Summer Catchers kann man nichts planen und auch nichts so richtig üben: Eigentlich ist alles eine große Glückssache.

Während die Kurse vor einem immer zufällig generiert werden, werden nämlich auch die erworbenen Items aus Chus Tasche in zufälliger Reihenfolge gezogen. Zwar kann man ein Werkzeug auch tauschen, allerdings mit einem Cooldown, und dass man beim Tausch das richtige zieht ist auch nur … Zufall. Und so fährt man immer und immer wieder in Summer Catchers in den Tod.

Gute Nachricht: Es geht nichts so richtig verloren, Aufgaben muss man keinesfalls auf einer Tour erledigen, Fortschritte werden gespeichert, und von den Pilzen, die als neue Währung dienen, sammelt man auch immer genug. Dennoch wiederholt man immer wieder die Fahrten, um irgendwann alles erledigt zu haben. Nur die letzte Fahrt in einem Gebiet, bei der man sich meist einem Gebietsboss stellen muss, hat es in sich: Denn hier muss man die komplette Strecke, ohne den Wagen zu Schrott zu fahren, überleben.

Die Inszenierung hält bei Laune

Ich bin ehrlich: In meiner ersten halben Stunde mit Summer Catchers empfand ich beinahe puren Hass. Trotz der schönen Geschichte wollte der Funken nicht überspringen – so oft scheitern und nur langsam Fortschritte machen? Auch die Schwierigkeitsgradeinstellung ändert da gefühlt nichts. Aber: Innerhalb der ersten Stunde kam auch die Liebe dazu.

Audiovisuell begeistert mich Summer Catchers auf ganzer Linie – und technisch gefällt mir nur nicht so gut, dass es beim Betreten des Ladens immer eine kurze Pause gibt. Auch die Begegnungen sind toll inszeniert, das Briefeschreiben mit bisher getroffenen Figuren und das Bilderbuch, das sich nach und nach füllt, sind einfach tolle Elemente. Summer Catchers nimmt emotional wirklich mit auf diese Reise – ja, ich fühle mich wirklich so, als ob ich selbst auf dieser Reise bin.

Die Frustresistenz muss man dennoch mitbringen: Zum Glück für Summer Catchers macht man so gut wie auf jeder Fahrt, so oft man auch scheitern mag, Fortschritte. Es gibt keine Bestrafung fürs Scheitern – eher Belohnung, weil man eben auf jeder Tour Pilze als Währung sammelt, die man investieren kann. Auch wenn mich vor allem die “Bosskämpfe” immer noch mächtig aufregen, komme ich mittlerweile mit dem Frust immer besser klar, auch wenn ich eigentlich nur die Reise von Chu und ihren Gefährt:innen genießen möchte. Weniger frustrierend hätte man das Spiel vor allem damit gestalten können, wenn alles weniger auf Zufall und doch wenigstens etwas mehr auf Können beruht hätte.

Fazit: Eine Reise mit Herausforderungen

Summer Catchers ist eins der frustrierendsten Spiele, die ich kürzlich gespielt habe, aber auch das Spiel, bei dem ich mit dem Frust am besten klar kam. Was in den ersten 30 Minuten purer Hass war, hat sich zu einer Hassliebe mit viel Faszination entwickelt. Summer Catchers ist wunderbar inszeniert und erzählt meisterhaft und audiovisuell mehr als gelungen die Reise eines jungen Mädchens dahin, das erste Mal die Sonne und das Meer zu sehen. Dabei trifft sie Freunde und Feinde – und während das ständige Scheitern jede(n) Spieler:in von Summer Catchers begleitet, wird dennoch jeder Erfolg gefeiert und allmählich kann man Fortschritte machen. Wer sich mit dem fiesen Gameplay anfreunden und schließlich Frieden damit schließen kann, aber auch akzeptieren kann, dass es nicht auf Können, sondern einfach nur auf den Zufall ankommt, wird mit Summer Catchers ein inhaltlich wunderbares Indiegame erfahren.

ProContra
+ Tolle Geschichte– Sehr großes Frustpotential
+ Audiovisueller Hochgenuss– Repetitiver Charakter
+ Realistische Freundschaften und Feindschaften– Ladepause beim Betreten des Ladens
+ Trotz Frust belohnend

Technik: 79
Grafik: 90
Sound: 93
Umfang: 85
Gameplay: 48
KI: 80

Spielspaß: 75

  • Story: Summer Catchers erzählt auf emotionale Weise eine gelungene Geschichte – mit einigen kleinen Geschichten zwischendurch, die Spaß machen.
  • Frustfaktor: Riesig. Das Scheitern ist die Quintessenz des Gameplays. Das muss man akzeptieren.
  • Nachhaltigkeitswert: Summer Catchers beschäftigt eine Weile, einen großen Wiederspielwert hat es aber nicht.
  • Design/Stil: Wunderbar gelungen.
  • Musik und Sound: Die Soundkulisse ist großartig.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: Die 9,99€ für das Spiel sind angemessen.

Offenlegung & Unterstützung

Ein Reviewkey zu Summer Catchers wurde uns zur Verfügung gestellt.

Wir freuen uns, wenn du bei Steady vorbeischaust und uns mit einem kleinen Betrag unterstützt, um unserer unabhängigen und werbefreien Seite weiter unter die Arme zu greifen. Du kannst aber auch einen Baum in unserem Treedom Wald pflanzen. Oder einer Organisation spenden, die etwas Gutes für die Welt tut.

Wie gut hat dir der Beitrag gefallen?

Durchschnittsdaumen: 0 / 5. Bisher abgegebene Daumen: 0

Bis jetzt gibt es noch keine Daumen! Sei der erste, der einen abgibt.

Du findest uns nützlich?

Dann folge uns doch in den sozialen Netzwerken!

Erzähl anderen von diesem Beitrag
Manuel Eichhorn
Folge mir
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Kommentare
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen