Nobunaga’s Ambition (PS4) im Test – Strategiespiele in japanischer Geschichte

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Erstmals bringt das Team von Koei Tecmo ein Strategiespiel in den Westen, das es bislang nur in Japan gab, weil es laut den Entwicklern zu schwierig für den Westen gewesen ist. Nun jedoch feiert eben diese Reihe Geburtstag und findet seinen Weg auch zu uns: Nobunaga’s Ambition: The Sphere of Influence ist ein Strategiespiel, das es faustdick hinter den Ohren hat und uns in die historische Zeit der Sengoku Periode entführt. Wir haben uns mit Freude in die Zeit der Streitenden Reihe begeben und verraten euch in unserem Test, warum in der Fassung für die PlayStation 4 ein kleines bisschen der Wurm drin ist.

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Aufbruch in die Geschichte

Nein, Nobunaga’s Ambition könnt ihr keineswegs mit Samurai Warriors vergleichen. Der Unterschied besteht hier grob und schlicht darin, dass ihr bei Nobunaga’s Ambition keine epischen Schlachten im Hack & Slay Stil absolviert, sondern taktisch lediglich eure Truppen lenkt und dafür sorgt, dass ihr eben irgendwann der Herrscher über ganz Japan seid. Auch der Stil hat sich gewandelt, so stellt Nobunaga’s Ambition die Figuren weitaus realistischer dar als in Samurai Warriors, wo doch ein wenig auf den Style der einzelnen, bekannten Figuren geachtet wurde.

Nobunaga’s Ambtion schickt euch in die Sengoku Periode von Japan, die etwa zwischen 1467 und 1603 zu verzeichnen ist. In dieser Zeit gab es viele Clans, wie beispielsweise den Oda-Clan, der mit Nobunaga Oda einen der bekanntesten japanischen Herrscher stellte. Wer sich also wirklich tiefgehender mit der Geschichte Japans befassen möchte, ist mit Nobunaga’s Ambition definitiv an der richtigen Adresse – Auch wenn ihr bestimmt ein wenig Einarbeitungszeit benötigen werdet. Wir fanden es sehr komplex, sich direkt in ein Spiel zu begeben. Ihr müsst im Grunde wissen, welche Clans es auf eurer Map gibt und welche Figuren und Schlösser zu den jeweiligen Clans gehören. Ihr solltet euch also besser bereits in der japanischen Geschichte auskennen oder zunächst viel Zeit mit der Map verbringen. Für Einsteiger sicher nicht gerade gut geeignet.

Zudem kommt hinzu, dass Nobunaga’s Ambition leider nur auf Englisch verfügbar ist, was für einige der Aufgaben etwas arg kompliziert ist, wenn man sich nicht wirklich gut mit der Sprache identifizieren kann. Selbst für uns war das ein relativ großes Hindernis, da wir mit vielen Begriffen leider nichts anfangen konnten. Ihr solltet euch also am besten auch mit politischem Englisch auskennen, um wirklich Fuß fassen zu können. Dafür hat uns richtig gut gefallen, dass man die Geschichte aus der Sicht verschiedener Feldherren betrachten kann: Bei den meisten Missionen kann man zwischen fünf verschiedenen Feldherrn wählen und deren Geschichte spielen. Ihr könnt euch also entscheiden, ob ihr die Geschichte eines großen Clans mit drei oder vier Schlössern spielt oder ob ihr lieber ganz von vorn mit nur einem Schloss anfangt.

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Mein eigenes Schloss!

In Nobunaga’s Ambition habt ihr meistens mindestens ein Schloss und ein paar Bewohner. Eure Aufgabe besteht jedoch nicht nur darin, über ganz Japan zu herrschen, sondern auch eure Schlösser aufzubauen und den Bewohnern einen schönen Platz zum Leben und Arbeiten zu bieten. Das bedeutet, ihr dürft auch eure Schlösser ausbauen, und könnt dabei im Grunde alles bauen, was euch das Spiel vorgibt. Um jedoch wirklich sinnvoll ausbauen zu können, müsst ihr eure Ressourcen erhöhen und so mehr Pflanzen, mehr Angestellte und mehr Soldaten rekrutieren. Dies tut ihr ganz einfach über den Development-Tab eures Schlosses. Nobunaga’s Ambition funktioniert übrigens in Runden, sodass ihr pro Runde nur einmal etwas an eurem Schloss entwickeln könnt.

Habt ihr eine gewisse Größe erreicht, könnt ihr weiter ausbauen und Verbesserungen implementieren. So könnt ihr beispielsweise Tempel oder Theater bauen, um die Zufriedenheit eurer Einwohner zu erweitern. Welchen Effekt das jeweilige Bauwerk auf eure Siedlung haben wird, verrät euch das Bauwerk im Bauen-Menü problemlos. Das Ausbauen der einzelnen Schlösser hat uns am meisten Spaß gemacht – ein bisschen blöd war nur, dass die KI uns nicht genügend Zeit gegeben hat uns wirklich zu entfalten. Die wollten irgendwie immer nur Krieg führen. Böse KI! Kleiner Scherz am Rande, natürlich hat man logischerweise in den meisten Strategiespielen selten die Zeit, sich ganz langsam zu entfalten – es sei denn, man stellt ein, dass man keine Gegner will.

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Das S in PS4 steht nicht für Strategie

Wie für Strategiespiele üblich, steuert ihr im Grunde alles mit der Maus. Auf der PlayStation 4 ist dafür der linke Stick oder gar das Touchpad zuständig. Damit könnt ihr über die Map wandern und euch umsehen. Das Problem daran ist, dass ihr eine Art Cursor habt und eben diesen lasst ihr über die Karte wandern. Doch das Ding lässt sich stellenweise nicht sonderlich schön lenken. Und einen Zurückknopf zu eurem Schloss gibt es übrigens nicht. Wenn ihr euch also die Umgebung anschaut und euer Schloss aus den Augen verliert, seid ihr ein kleines bisschen in der Bredouille, da ihr so schnell euer Schloss nicht wiederfinden werdet. Am oberen rechten Rand habt ihr auch eine Minimap, die ist jedoch absolut nutzlos. Ihr könnt diese Karte weder vergrößern, noch logischerweise mit dem Cursor darauf rum reisen. Sie zeigt euch nur an, in welche Richtung ihr gerade schaut, aber das kann man nicht sonderlich gut erkennen.

Zudem ist das Menü auf der linken Seite nicht unbedingt intuitiv. Die Zeichen erklären sich nicht von selbst und um wirklich was lesen zu können, muss man zuvor manuell die Größe der Schrift verändern. Standardmäßig kommt Nobunaga’s Ambition leider mit einer viel zu kleinen Schrift daher, was gerade bei einem Strategiespiel ziemlich schlecht ist, da man da nun einmal sehr viel lesen muss. Über das Menü könnt ihr, bevor ihr ein Spiel beginnt, die Größe der Schrift ändern. Diese wird dann einfach nur vergrößert, aber nicht in der Größe angepasst. Stellt euch das Ganze so vor, als hättet ihr in Photoshop ein Bild und vergrößert das um 200%, dann wird es zwar größer, aber unscharf und genau so wirken einige Textfragmente in Nobunaga’s Ambition. Was sehr schade ist, da das Spiel an sich umheimlich viele Einstellungsmöglichkeiten hat und einem verschiedene Aspekte der Geschichte wiedergeben lässt.

Zusätzlich leidet die PlayStation 4 wieder einmal an ihren typischen Macken. Die Framerate bricht zwar nicht ein, dafür ploppen jedoch verschiedene Umgebungselemente einfach immer und immer wieder ein, während selbstverständlich auch immer wieder Kantenflimmern mit von der Partie ist. Den Spielfluss an sich beeinträchtigen diese Dinge allerdings nicht, sie müssen jedoch erwähnt werden. Genauso wie der gelungene Soundtrack, der uns nicht mehr aus dem Kopf gehen mag. Sehr schön geworden.

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Fazit: Japanische Geschichten vom Feinsten…

Nobunaga’s Ambition: The Sphere of Influence lässt uns tief an der japanischen Geschichte teilhaben und entführt uns zudem in die Zeit der Sengoku Periode. Ihr könnt also selbst als Nobunaga Oda oder einem anderen bekannten Feldherr der japanischen Geschichte spielen und habt direkten Einfluss darauf, wie sich alles entwickelt. Nobunaga’s Ambitionläuft in Runden ab, sodass ihr jeweils nur einen begrenzten Zeitraum habt, in dem ihr agieren und euer Reich erweitern könnt. Besonders gefallen hat uns der Ausbau der einzelnen Schlösser und Dörfer, da sich hier sehr viel Tiefgang zeigt. Schade nur, dass einem die böse KI einfach nicht die Zeit gibt, sich wirklich damit befassen zu können: Die wollen einfach immer nur Krieg führen. Dafür bieten euch die Missionen auch verschiedene Blickwinkel auf die Historie, da ihr nicht als Nobunaga Oda spielen müsst. Wählt ihr einen anderen Feldherr, entwickelt sich alles vielleicht ganz anders.

Nobunaga’s Ambition ist ein gutes Spiel mit strategischem und historischem Tiefgang, allerdings weniger für die PlayStation 4 geeignet. Es fehlt einfach die Steuerung mit der Maus, die zwar durch den Stick und das Touchpad ersetzt werden, aber eben keine Maus wirklich ersetzen können. Das ist sehr schade, zumal es auch ähnliche Spiele auf der Konsole gibt, die das Ganze ein wenig intuitiver und schöner angepasst haben. Auf der PlayStation 4 ist Nobunaga’s Ambition war kein schlechtes Spiel, dennoch würden wir euch eher die PC-Version empfehlen.

Pro Contra
+ Einbindung der japanischen Geschichte – Texte auf Englisch –> Politisches Englisch gefordert
+ Großer Tiefgang beim Bauen der Schlösser – Schrift standardmäßig zu klein
+ Verschiedene Blickwinkel auf historische Aspekte – Unübersichtliche Map auf PS4
+ Sehr schöner Soundtrack mit Ohrwurmgarantie – Steuerung zu unintuitiv
+ Sehr viele Einstellungsmöglichkeiten
+ Englische Vertonung

Technik: 72

  • Grafik: 77
  • Sound: 87
  • Umfang: 90
  • Gameplay: 45
  • KI: 60

Spielspaß: 64

  • Story: Nobunaga’s Ambition entführt in die Geschichte Japans. Geschichtsfans werden also definitiv auf ihre Kosten kommen.
  • Frustfaktor: Leider ist die Steuerung auf der PlayStation 4 nicht ganz intuitiv und auch nicht nachvollziehbar. Schade, einer der wichtigsten Aspekte eines Spiels geht hier flöten.
  • Wiederspielwert: Da es viele verschiedene Sichtweisen auf die Geschichte gibt, empfehlen wir immer mal wieder auch aus anderen Sichtweisen zu spielen.
  • Design/Stil: Man bleibt sehr realistisch vom Stil her, auch die Darstellung der bekannten Figuren wird nicht sonderlich auf grafische Weise in den Vordergrund gerückt wie man es aus den Warriors-Reihen kennt.
  • Musik: Der Soundtrack ist sehr schön und bietet eine wahre Ohrwurmgarantie.

Information: Vielen Dank an Koch Media für die Bereitstellung des Musters.

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Beatrice Vogt
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