ProtonMail Erfahrungsbericht – E-Mail, aber sicher

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Vor ein paar Wochen haben wir den Palace von Google befreit. In mir hat das etwas ausgelöst: Ich wollte schauen, wo ich noch überall „de-googlen“ kann. Ich habe den Browser gewechselt – und den Anbieter meines privaten E-Mail-Postfaches. Hier möchte ich euch von den Erfahrungen mit dem Schweizer Dienst ProtonMail berichten.

Wie bin ich überhaupt zu ProtonMail gekommen? In den letzten Monaten habe ich bereits E-Mail-Postfächer bei Posteo und bei Mailbox.org ausprobiert. Die beiden zeichnen sich ebenfalls durch ein gewisses erhöhtes Maß an Datenschutz aus und versprechen auch ein höheres Maß an Klimaschutz. Gefällt mir gut, und wer hauptsächlich am PC unterwegs ist, ist mit beiden Postfächern sehr gut beraten, zumal die Kosten von jeweils 12€ im Jahr sehr überschaubar sind. Aber: Es gibt keine nativen Apps für Smartphones und auch die Synchronisierung des Kalenders nur über Umwege. Entsprechende Lösungen sind zwar natürlich mit zusätzlicher Software umsetzbar, doch so richtig überzeugt hat mich das persönlich für meinen Alltag nicht.

ProtonMail bzw. das Unternehmen Proton Technologies dahinter geht schon jetzt ein paar Schritte weiter: Es gibt schon jetzt native Apps für ProtonMail und den Proton Kalender, der nächste Dienst im Line-Up ist ProtonDrive – ein verschlüsselter Clouddienst, der in der Zukunft an den Start gehen soll. Generell legt Proton wert auf eine besonders sichere Verschlüsselung – so, dass die Daten und E-Mails auch dem Unternehmen selbst nicht zur Verfügung stehen.

Ich bin ehrlich: Darum, dass Google meine Daten auf böse Weise nutzt, ging es mir bei diesem Wechsel nicht wirklich. Bloß habe ich die Google Dienste in erster Linie deshalb genutzt, weil es vor allem mit einem Android Telefon bequem ist. Doch die Werbung in meinem Gmail Postfach wurde in den letzten Wochen nerviger, meine Erfahrungen mit Google haben schon in den letzten Jahren einige Risse bekommen und generell schätze ich das Unternehmen nicht als besonders kund*innenorientiert ein – deswegen wollte ich etwas Neues ausprobieren.

ProtonMail bietet mir jetzt all das, was ich suche – in einem sehr übersichtlich und toll bedienbarem Interface. Dazu muss ich sagen, dass du unbedingt die Beta Version von Mail und Kalender unter https://beta.protonmail.com benutzt und nicht die live Variante – in der Betaversion sind die Dienste verknüpft und man kann in einem Browser eingeloggt bleiben.

Ich habe mich für ProtonMail Plus entschieden, was bei jährlicher Abrechnung 48€ im Jahr kostet und damit 4€ pro Monat. Für diesen Preis erhält man schon jetzt eben auch den Kalender, kann bis zu fünf E-Mail-Adressen und bis zu fünf Kalender anlegen. Das funktioniert alles wunderbar. Spam ist bisher nicht im Postfach gelandet, Werbung von Proton kann man problemlos aktivieren und deaktivieren.

Die Android App kann durchaus dringend ein Update vertragen.

Der Aufbau des (Beta) Mailpostfaches ist durchaus an Gmail orientiert – was aber nicht schlecht ist, denn nicht umsonst ist jener E-Mail-Dienst ja sehr beliebt. Was mir an ProtonMail besonders gut gefällt: Native Apps für E-Mail und Kalender für Android und iOS sind bereits vorhanden und man muss nicht auf Drittsoftware für die Synchronisierung zurückgreifen.

Die ProtonMail App für Android (und ich denke auch iOS) erwartet ein großes Redesign, was dringend nötig ist. Hier setzt Proton noch auf die ursprüngliche Fassung und auch das Synchronisieren klappt nicht immer ganz nahtlos – Benachrichtigungen werden immer wieder auch für E-Mails gepusht, die bereits auf anderem Gerät gelesen wurden, wenn eine neue E-Mail eintrifft. Ich hoffe, dass das mit dem großen Update der App behoben wird.

Gibt es irgendetwas, das ich bei Proton vermisse? Nein, absolut gar nicht. Ich kann meinen Proton Kalender nicht freigeben, was aber wohl auch dem Datenschutz- und Verschlüsselungsgedanken deutlich im Weg steht. Ich bin vor allem auf die weitere Entwicklung der Dienste gespannt, ich kann mir vorstellen, dass Proton in den nächsten Jahre eine ernstzunehmende Konkurrenz zum Google Paket aufbaut, auch wenn man hier natürlich Geld bezahlen muss – Datenschutz aber inklusive.

Was ist für mich der größte Vorteil? Es kann sich noch wandeln, aber die Proton Anwendungen fühlen sich (in der Beta Ansicht) sehr intuitiv, modern und nicht überladen an. Es macht Spaß, alles zu bedienen und es gibt einige praktische Komfortfunktionen. Newslettern zum Beispiel wird direkt oben ein Link zum Austragen aus dem Abonnement hinzugefügt. Zudem gibt es eine einfache Ordner- und Kategorienverwaltung, die für mich wesentlich schöner als bei Gmail funktioniert.

Was die Zuverlässigkeit angeht, kann ich bisher nur Positives berichten. E-Mails werden schnell zugestellt, alle Funktionen klappen auch in der Betaansicht problemlos und einen Ausfall gab es nur mal vor einigen Tagen sehr kurz abends. Doch auch mein Gmail Postfach stand in den letzten Wochen ein paar Mal für kurze Zeit nicht zur Verfügung – also Gleichstand, was das angeht.

Mein Fazit: Ob man sich aus Datenschutzgründen „de-googlet“ ist eine Diskussion, die ich nicht starten möchte. Doch ich habe gelernt, dass es vielversprechende alternative Dienste zum Internetgiganten gibt – bei der Suche ist das für mich Qwant, beim E-Mail-Anbieter definitiv ProtonMail. Die Nutzung macht Spaß und ist intuitiv – und ich zahle gern etwas Geld für diese und kommende Dienste, die sich noch im Aufbau befinden. Nach einigen Wochen der Nutzung lege ich jedem ans Herz, ProtonMail einmal auszuprobieren. Es gibt auch ein kostenloses Postfach, welches für die alltägliche Nutzung reicht.

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Manuel Eichhorn
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