InFamous: Second Son (PS4) im Test – Einmal Bioterrorist sein

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Ich habe mich, ehrlich gesagt, die letzten paar Jahre gesträubt, inFamous: Second Son zu spielen. Ich hatte zwar viel Spaß mit Cole in den beiden Vorgängern, aber ich wollte keinen neuen Conduit kennenlernen. Also hat es 6 Jahre und eine PS Plus Mitgliedschaft benötigt, damit ich doch einen Blick in Delsins Geschichte werfen konnte – und wurde nicht enttäuscht. Was ich von inFamous: Second Son halte, verrate ich dir in meiner Review.

Ein neuer Conduit

inFamous: Second Son spielt in etwa sieben Jahr nach den Ereignissen der beiden Vorgängerspiele, begrüßt mich jedoch mit einem ganz neuen Protagonisten. Einem Jungspund und Heißsporn namens Delsin Rowe, der akomischer Herkunft ist, allerdings mit seiner Identität nicht ganz zurechtkommt. Er scheint sich nicht richtig fügen zu können, wohl auch, weil er anders ist.

Delsin ist ein sogenannter Conduit, also jemand, mit besonderen Fähigkeiten. Doch er hat nicht nur irgendwelche Fähigkeiten, sondern kann tatsächlich die von anderen kopieren – und so habe ich ziemlich bald nicht nur eine, sondern mehr Kräfte, die ich kontrollieren kann.

inFamous: Second Son erschien bereits 2014 – und dennoch sieht das PlayStation 4 Spiel, das ich auf der PS5 gespielt habe, gar nicht mal so schlecht aus und läuft ziemlich flüssig. Hin und wieder stolpere ich über Fehler, die ich bereits aus den Vorgängern kenne: Delsin stolpert und wird in die Luft geschleudert, er hängt plötzlich an einer unsichtbaren Ecke fest oder steckt in der Wand. Nervige Dinge, wenn sie in Gefechten auftreten.

So sehr ich Delsin und seinen Humor jedoch mag, so sehr komme ich mit der Darstellung nicht zurecht. Ich weiß, dass es damals noch üblich war und auch ein Assassin’s Creed III in eine ähnliche Richtung schlug, dennoch: Delsin bekommt die Kräfte neu und kann sie relativ schnell perfekt einsetzen – lediglich am Anfang, wenn es eine neue Kraft gibt, hat er Schwierigkeiten, sie zu steuern. Und so entwickelt sich der Frischling ziemlich schnell zum Meister seines Faches. Für meinen Geschmack ein bisschen zu schnell.

Generell ist auch die Story nicht unbedingt aus einem Bestsellerroman entsprungen, sondern allenfalls wirkt es so, als hätte man einfach nur einen Grund gebraucht, um Delsin mit Kräften auszustatten und ihn dann nach Seattle zu schicken. Sonderlich gut geknüpft sind nicht nur die Beziehungen nicht, sondern die Geschichte selbst ist auch nicht gut gesponnen. Schade.

inFamous: Second Son sollte ursprünglich zum Launch der PlayStation 4 im November 2013 erscheinen, wurde jedoch verschoben. Doch leider ist es, besonders was die Story angeht, nichts weiter als ein klassisches Launchtitel, der noch irgendwo mit den Herausforderungen der Vorgängergeneration kämpfen muss.

Bioterroristen, die neue Bedrohung

In inFamous: Second Son sind die Conduits aber nicht die Guten, sondern die finstere Bedrohung, die nur Chaos bringen. Dies deutet auch der neue Name an, denn nun heißen sie Bioterroristen. Ein spannendes Wort mit einem bösen Beigeschmack, so wie es sein sollte. Bioterroristen mit Fähigkeiten werden dabei in Gefängnissen aufbewahrt, in denen man Experimente betreibt, um die Kräfte auszureizen und auszutreiben. Angeführt natürlich von Augustine, die selbst Beton kontrollieren kann. So schnell kann man also von der Bioterroristin zur Herrscherin über Schmerz und Gewalt werden.

Delsin nimmt das alles ein bisschen mit Humor und spielt sich als Held auf – auch nur, weil ich ihn lasse. Wie es für die Reihe üblich ist, kann ich mich für den guten oder den bösen Delsin entscheiden. Hierzu gibt es immer mal wieder Schlüsselmomente, in denen ich direkt zwischen Schwarz und Weiß wählen darf – Etwas, das es so in heutigen Spielen nicht mehr gibt.

Unser Protagonist ist generell ein komischer Zeitgenosse, denn er entwickelt sich zu schnell. Alle Charaktere bauen generell ziemlich schnell eine Bindung auf, die nicht nachvollziehbar ist, und sie entwickeln sich zu fix. Ich habe kaum etwas von gesunder Charakterentwicklung gemerkt, was ich schade finde.

Ich selbst scheitere hin und wieder an Gefechten, denn diese scheinen manchmal nicht gut ausbalanciert zu sein, gerade dann, wenn ich alleine gegen viele gegnerischer Conduits kämpfe, die mehr drauf haben als ich und ich sich besser verteidigen können – weil sie eben schon Betonkräfte haben! Das ist sehr frustrierend und so war ich in manchen Momenten häufiger wieder im Ladebildschirm als mir lieb war.

Seattle ist mein Spielplatz

inFamous: Second Son spielt in der schönen und beliebten amerikanischen Stadt Seattle. Das war jetzt noch nie unbedingt ein Ort, den ich gerne besuchen möchte, da ich New Marais irgendwie schöner fand, aber dennoch hatte es seinen Reiz, als ich ganz oben auf der Space Needle stand und die ganze Stadt überblicken konnte.

Generell sieht inFamous: Second Son trotz seines Alters wahnsinnig schön aus und bietet mir sehr viel Platz zum Toben. Irgendwo muss ich meine Kräfte schließlich ausprobieren können. Während ich also durch Seattle ziehe, das in Stadtgebiete unterteilt sind, die alle unter der Kontrolle des D.U.P. stehen, und es befreie, entdecke ich dabei die Stadt aus ganz vielen Blickwinkeln. Ziemlich häufig stoße ich dabei auf Anspielungen aus vorherigen Spielen von Sucker Punch und finde somit jede Menge Sly Cooper und Cole MacGrath Hinweise. Es macht Spaß, diese Dinge zu finden.

Wenn ich mal nicht auf der Suche nach Eastereggs bin, erfülle ich die Aufgaben und spraye Graffitis an die Wände, denn das ist eines von Delsins Hobbies. Er ist ein Künstler mit einer Spraydose, der seine Botschaften an Wänden gut sichtbar für alle hinterlässt. Passend dazu wird auch der Controller verwendet: DualSense drehen, schütteln und wie eine Spraydose benutzen. Cooles Feature, das mir Spaß gemacht hat. Gerne mehr davon!

Doch nicht alle Missionen und Herausforderungen sind so cool. Wer auch immer es lustig fand, dass man gegnerische Conduits in der Menge suchen und dann verfolgen soll, bekommt bitte eine Schelle. Ich hasse solche Missionen und sonderlich spannend oder gut umgesetzt waren sie nicht in inFamous: Second Son. Generell haben sie nicht mal einen richtigen Nutzen im Spiel, außer mich zu ärgern. Generell kann ich sagen, dass es zwar viel zu tun gibt, allerdings sind pro Stadtteil all diese Missionen relativ identisch und es gibt kaum Abwechslung.

Fazit: Ich will jetzt Bioterroristin werden

inFamous: Second Son ist ein guter Einstieg für eine neue Konsolengeneration, wenn man mit den Füßen noch in der vorherigen feststeckt, aber schon die neuen Features und Grafiken der neuen Generation sehen möchte. Jetzt gespielt auf der PlayStation 5 kommt der grafische Aspekt noch deutlich mehr hervor, während die Geschichte und auch die Entwicklung der Charaktere in den Hintergrund treten. Storymäßig, technisch und auch charakteristisch betrachtet, bleibt inFamous: Second Son somit in der für mich vorletzten Konsolengeneration stecken, denn ursprünglich war der Titel zum Launch der PS4 geplant, wirkt jedoch noch wie ein PS3 Titel. Erwartet hier also keine großen Sprünge.

Doch ich möchte nicht meckern, klar, wäre bei der Story mehr drin gewesen, das bewiesen auch die beiden Vorgänger, allerdings hatte ich trotzdem meinen Spaß mit inFamous: Second Son. Wenn ich über ein Seattle im Sonnenuntergang schwebe oder den Nachthimmel beobachte, weiß ich, welche Qualitäten das Spiel hat und verzeihe viel. Ich liebe es, das D.U.P. hochzunehmen und mit meinen Kräften die Kontrolle über Seattle zurückzuholen. inFamous: Second Son ist für mich ein solider Actiontitel, der mich manchmal an meine Grenzen bringt, aber definitiv für Spaß sorgt. Nicht mehr und nicht weniger.

ProContra
+ Viele verschiedene Kräfte– Kleinere Bugs
+ Sensationelle Grafiken– Charakterentwicklung zu schnell
+ Humorvolle Konversationen– Story zu belanglos
+ Viel zu entdecken– Gefechte nicht gut ausbalanciert
+ Viel zu tun, Spraydosen <3– Einige Missionen sinnfrei
– Abwechslung bei den Missionen fehlt

Technik: 74
Grafik: 90
Sound: 83
Umfang: 76
Gameplay: 65
KI: 57

Spielspaß: 84

  • Story: inFamous: Second Son erzählt die Geschichte rund um Delsin Rowe, ein Conduit. Allerdings bleibt die Story relativ belanglos und ist kein Highlight des Spiels.
  • Nachhaltigkeitswert: Es war für Sucker Punch ein wichtiger Schritt, dieses Spiel zu spielen, doch hätte es nur den Grundstein für weitere inFamous Spiele legen sollen.
  • Frustpotential: Dank der nicht immer ausgereiften Technik und den nicht ausbalancierten Kämpfen ist dieser definitiv vorhanden.
  • Design/Stil: Wunderschön und auf der PS5 noch ein bisschen schärfer.
  • Musik und Sound: Guter Soundtrack, gut gewählte Synchronsprecher. Solide Arbeit.
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: inFamous: Second Son war für mich kostenlos in der PS Plus Collection, kostet aktuell im Schnitt rund 20 €, was in Ordnung ist.

Offenlegung

inFamous: Second Son war für mich kostenlos durch die PS Plus Collection. Gespielt habe ich das PS4 Spiel auf der PlayStation 5.

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Beatrice Vogt
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